Projekt Beschreibung

Yachting | 2020 | Text: Marcus Krall

Mit „TIS“ lieferte die Lürssen-Werft eine spektakuläre Yacht, die an Eleganz kaum zu übertreffen ist. Das Interior Design wurde von den besten Hotels der Welt inspiriert.

Wenn es um die ganz großen Yachten geht, also solche mit über 100 Metern Länge, kann man die Adressen, die solche Formate liefern können, fast an einer Hand abzählen. Zu den wichtigsten Playern in diesem Segment gehört dabei die Bremer Lürssen-Werft, die mit fast unglaublicher Regelmäßigkeit Yachten dieser Größenordnung abliefert, von denen es weltweit derzeit überhaupt nur rund 50 Stück gibt. Die jüngste Referenz des Familienunternehmens mit mehreren Bauplätzen in ganz Norddeutschland lag in diesem Jahr auf der Monaco Yacht Show und war für eine ausgewählte Öffentlichkeit zu besichtigen. Obwohl der Port Hercule zur weltweit wichtigsten Superyacht-Messe mit 125 Exponaten stets prall gefüllt ist, stach „Tis“ nicht nur ob ihrer Länge von 111 Metern und ihres Status als größte Yacht der Show heraus. Ihre von Winch Design aus London kreierten Linien und ihr dunkelblauer Rumpf vermitteln eine Eleganz, die manchen Werften und Designern in den vergangenen Jahren etwas abhandengekommen zu sein scheint.

Die Kabinen heißen „Datscha“ oder „New York“

Wer dann über die rund zehn Meter lange Gangway schreitet, bemerkt schnell, dass sich das Briefing nicht nur auf den äußeren Look bezog. Auch innen herrscht ein Ambiente wie im Grand Hotel – und das schon im Beachclub, wo auf anderen Yachten eigentlich nur die Jetskis und Tender an- und ablegen, die Crew Drinks serviert und Sonnenliegen aufstellt. „Tis“ bietet dagegen neben einer integrierten Sauna samt Eisdusche und eigener Terrasse (klappt aus dem Rumpf!) auch noch eine Lounge, die genauso in ein italienisches Boutique-Hotel passen würde. Designer Andrew Winch bestätigt diesen Eindruck: „Der Beachclub hat das Thema ‚Capri‘ und die komplette Einrichtung lehnt sich stark an die besten Hotels der Welt an. Das Bristol in Paris war etwa keine ganz unwichtige Inspirationsquelle.“ Vier der insgesamt neun Kabinen ließ der Eigner auf diesem Unterdeck installieren. Sie sind hauptsächlich für Business-Gäste reserviert und besitzen wie alle Kabinen auf „Tis“ einen geografischen Bezug. Während die Geschäftsleute Räume mit den Themen „Provence“, „Chinesisches Meer“, „Russische Datscha“ und „Toskana“ beziehen, schlafen die weiteren Gäste auf dem Hauptdeck in Kabinen, die „London“, „Paris“, „New York“ und „Marrakesch“ heißen.

TIS

  • Länge: 111,00 m
  • Breite: 18,40 m
  • Tiefgang: 4,20 m
  • Material: Stahl/Aluminium
  • Volumen: 4699 Gross Tons
  • Motoren: 2 x MTU 20V 4000 M73
  • Motorenleistung: je 3200kW
  • Topspeed: 18kn
  • Reichweite: 7000 Seemeilen @ 12 kn
  • Kapazität: 18 Gäste/9 Kabinen; 38 Crew
  • Design: Winch Design
  • Werft: Lürssen

Aus dem Schlafzimmer in den Helikopter

Eine Etage darüber entfaltet „Tis“ dann ihre ganze Pracht. Einem Grand Hotel gleich führen im Main Salon vom Deck darüber, der Eigner-Etage, zwei Treppen in ihn hinab. Das Mobiliar lehnt sich an die Epochen von Ludwig XIV. bis Ludwig XVIII. an; Gold-, Braun- und Blautöne sowie weiße Säulen schaffen ein sehr gediegenes Ambiente, das sich auf dem Eigner-Deck fortsetzt. Die Treppen, die von dort in den Salon führen, beginnen in einer Lobby (Stichwort: Hotel!), der sich die Eigner-Suite anschließt. Neben einem Schlafzimmer mit 180-Grad-Blick voraus und Zugang zum Helikopter-Landeplatz verbergen sich hinter den Türen ein privater Frisier- und Beauty-Raum, zwei Ankleide- und zwei Badezimmer sowie Balkone, die nur für das Eignerpaar zugänglich sind. Ein bisschen Privatsphäre muss sein!

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