Project Description

Wien | AUSGABE 15 | Frühling 2016

Die Neuadaption des Wiener „Palais Rasumofsky“. Ein Palais, das eine faszinierende Epoche der Wiener Kunst-, Kultur- und Baugeschichte repräsentiert zu rekonstruieren, zu restrukturieren und zu revitalisieren war eine Herausforderung, die das Architektenteam Baar-Baarenfels mit Bravour löste.

Der erste Bauherr und Namensgeber des Palais war Andrei Kirillowitsch Herzog Rasumofsky, ein Kunstfreund, Förderer Beethovens und russischer Botschafter Zar Alexanders während der Zeit des Wiener Kongresses. Er wählte 1806 den belgischen Architekten Louis Montoyer für die Planung und den Bau des aus drei Gebäuden und einem zentralen Park bestehenden Ensembles mit einer Grundfläche von über 10.000 m2. Alois II., Herzog von Liechtenstein, residierte von 1838 bis 1873 hier, bevor es zwischenzeitlich in Staatsbesitz überging. Danach erwarben es zwei begeisterte Kunstmäzene und veranlassten die Umwandlung in eine private Residenz und eine Kunststiftung. Im 2. Weltkrieg wurde das Ensemble beschädigt, danach behelfsmäßig restauriert und mit einem Notdach versehen. Der Erhalt des historisch wertvollen Gebäudekomplexes barg in der Folge deshalb immer wieder große Probleme.

Ein Kunstliebhaber als neuer Besitzer

Eine Tatsache, die den neuen Besitzer veranlasste, Architekt Johannes Baar-Baarenfels und sein Team mit der peniblen, fachkundigen Analyse der Bausubstanz und der sorgfältigen Adaption zu betrauen. Ein Liebhaber der laut Baar-Baarenfels „von ästhetischer, moderner Geisteshaltung und einem großen Bewusstsein für seine gesellschaftliche Verantwortung“ motiviert ist. Drei Jahre dauerte die Planung, die in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt stattfand. Entsprechend sorgfältig wurde mit dem denkmalgeschützten Bestand umgegangen. Alle nachträglichen Einbauten – wie das Dach, Treppen und Innenausbauten – wurden wieder entfernt oder ergänzt. Baar-Baarenfels entwickelte zusätzlich ein neues vertikales Belüftungssystem, das das neue unterirdische Parkhaus ebenso einbezieht wie die Innenräume. Die Penthouse-Wohnung im Obergeschoss liegt nun unter einem von einem Stahlfachwerk getragenen Dach aus Aluminium und ist von umlaufenden Terrassenflächen umgeben. Der Eingang ist mittig situiert, die Silhouette und der Rhythmus der Fassade wurden beibehalten. Das Erdgeschoss besteht hauptsächlich aus der sechs Meter hohen Kunstgalerie. Durch Einfügen einer neuen zweiten Ebene zwischen zwei freistehenden abgewinkelten Betonplatten erweitert sich diese um zwei zusätzliche Räume. Eine neue, freistehende Betontreppe schafft mit leichter Dynamik eine elegante Verbindung dazu und wirkt selbst wie ein Kunstobjekt.

Dies sind nur einige Aspekte eines faszinierenden Projektes dessen durchdachte Details von kunstverständiger Geisteshaltung und Größe zeugen. Architektonisch wurde hier das Machbare fachkundig ausgelotet, mit kundiger und intelligenter Formsprache „übersetzt“ und einem bedeutenden Ort der Wiener Baukunstgeschichte neues Leben eingehaucht.

100 Häuser

Das Magazin „100 Häuser“ präsentiert herausragende Häuser der besten Architekten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – von klein bis groß, von sachlich bis cool, von Holz bis Beton. So auch das preisgekrönte Haus K von Titus Bernhard Architekten BDA. In der Vielfalt zeigt die Auswahl das breite Spektrum länderspezifischer Bauweisen und die hohe Qualität an heimischer Baukultur. Die anspruchsvolle, opulente Gestaltung bildet den Rahmen für die Portraits der Häuser und ihrer

Geschichten – dokumentiert mit aussagekräftigen Ansichten, Texten und Plänen. „100 Häuser“ zeigt damit nicht nur die Architektur der Einfamilienhäuser auf höchsten Niveau und aus einer umfassenden Kenntnis der Branche – sondern stellt eine Empfehlung an zukünftige Bauherrn dar, mit Architekten zu planen. Die nächste Ausgabe „100 österreichische Häuser“ erscheint im Juni 2016 mit dem Schwerpunkt „Kunst&Architektur“ anlässlich der Architekturtage. www.100haeuser.at

Kontakt

Baar-Baarenfels Architekten
Rudolfsplatz 6/3
A-1010 Wien
T +43 (0) 1 5329 432
F +43 (0) 1 5329 433
office@baar-baarenfels.com
www.baar-baarenfels.com