Project Description

Yachting | 2020 | Text: Marcus Krall

Das Design-Briefing für seine neue Yacht formulierte Roberto Cavalli recht speziell. Tommaso Spadolini nahm sich des Wunsches an, CCN baute die 28 Meter lange „Freedom“. Der Modezar steht oft sogar selbst am Steuer.

Yacht-Designer pflegen einen regelmäßigen Umgang mit den erfolgreichsten oder reichsten Menschen dieser Welt und sind es gewohnt, mitunter recht ungewöhnliche Wünsche umzusetzen. Und obwohl Tommaso Spadolini den exzentrischen Roberto Cavalli bereits seit 20 Jahren kennt, überraschte ihn das Briefing für dessen neue Yacht schon etwas. „Zeichne mir etwas, das auch Batman fahren würde“, lautete die Vorgabe des Mode-Schöpfers, der seine 41 Meter lange „RC“ durch ein kleineres Format ersetzen wollte, das er auch selbst fahren konnte. „RC“, so erinnert sich der erfahrene Tommaso Spadolini, „nutzte Roberto Cavalli hauptsächlich kommerziell, um sein Business voranzutreiben – es waren immer viele VIPs an Bord. Die neue Yacht war hauptsächlich für den privaten Gebrauch vorgesehen.“ Soll bedeuten: für Cavalli und seine Gattin, maximal vier weitere Gäste, drei Crewmitglieder und natürlich die beiden deutschen Schäferhunde Lupo und Lapo.

Ein kleiner Trick beim Bau

Ein weiterer Grund für die Verkleinerung war zudem Cavallis Bedürfnis, so oft wie möglich selbst am Steuer zu stehen. Dementsprechend durfte die Wasserlinie die Länge von 24 Metern nicht überschreiten, weil Cavalli nur einen Sportbootführerschein und keine Kapitänslizenz besitzt. Dass sie letztlich doch 28 Meter betragen kann, verdankt sie dem Trick, dass die Klassifikationsnorm elegant ausgelegt werden kann, weil Teile von Bug und Heck demontierbar sind.

Den ganzen Sommer an Bord

Die gewünschte Geschwindigkeit von mehr als 40 Knoten resultierte in einem Antriebspaket von drei MAN-Motoren mit zwei Kamewa-Waterjets plus eines Boosters und einer Konstruktion aus Aluminium und Karbon, um das Gewicht möglichst gering zu halten. Testfahrten ohne Mobiliar ergaben 46 Knoten, mit Einbauten erreicht „Freedom“ immerhin noch 42 Knoten. Dieses Tempo ist schon „Batman-like“, aber auch die Lackierung in Schwarz- und Grau-Metallic sowie der Bogen, der den Steuerstand mit dem äußeren Ende des Hecks verbindet, spielen mit dem Image der geheimnisvollen Comic-Figur.

Innen wird es dann allerdings eklektisch. Hier legte Roberto Cavalli höchstpersönlich Hand an und wählte für die Dekoration die für ihn typischen Leoparden-Prints, kombinierte sie mit eigenen Fotografien, Skulpturen und ungewöhnlichen Lampen. Dass Cavalli mit der Umsetzung von „Freedom“ äußerst zufrieden ist, zeigt die Agenda seiner ersten Saison mit ihr. Von Ostern bis September war der 78-Jährige quasi nonstop an Bord.

Facts:

  • Länge: 28,00 m
  • Breite: 7,10 m
  • Tiefgang: 1,35 m
  • Material: Aluminium/Karbon
  • Verdrängung: 80 t
  • Motoren: 3 x MAN
  • Motorenleistung: je 1400 kW
  • Topspeed: 42 kn
  • Reisegeschwindigkeit: 34 kn
  • Kapazität: sechs Gäste/drei Kabinen; drei Crew
  • Design: Roberto Cavalli/Tommaso Spadolini
  • Werft: CCN