Bier Ist Kult

Eine Erfolgsgeschichte

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Bier Ist Kult2017-11-23T15:09:25+00:00

Projektbeschreibung

München | Ausgabe 41 | Herbst 2017 Text: Karin Witasek

Kaum ein anderes flüssiges Genussmittel kann auf eine so lange Kulturgeschichte zurückblicken wie eines der beliebtesten Getränke der Deutschen – reichen die Anfänge der Braukunst doch bis ca. 9000 Jahre v.Chr. in die Jungsteinzeit zurück.

Eine Erfolgsgeschichte

Bier ist wahrscheinlich das älteste alkoholische Getränk, das die Menschen kennen, entstand es doch durch das spontane Angären eines dünnen Getreidebreis, ausgelöst durch die natürlich in der Luft vorkommenden Hefezellen. In vielen alten Kulturen war die Bierbereitung eng mit der Kirche verbunden. Das Wissen um das Brauwesen wurde vielfach von Priestern gehütet.

Im Mittelalter entwickelten sich die Klöster zu Brauzentren. Um 1800, als Tee und Kaffee dem Massenkonsum zugänglich gemacht worden waren, wurde die Bierbrauerei in Mitteleuropa reorganisiert: Alte Hausbraurechte und kleine, oft mit Wirtshäusern verbundene, gewerbliche Brauereien wurden zusammengelegt. So entstand in Mitteleuropa nach englischem Vorbild ein bedeutender Wirtschaftszweig. Wesentlich für den Aufstieg des Brauwesens war der Übergang zur Untergärung: Hier wurden andere, bei kälteren Temperaturen arbeitende Hefestämme eingesetzt, und 1841 entstand der neuartige Typus des „Lagerbieres“. Dieser Biertyp trat einen Siegeszug an.

Genuss vom Feinsten

Bier wird durch Gärung aus Malz gewonnen und nicht durch Destillation. Bei der Herstellung des kohlensäurehaltigen Getränks werden Hopfen oder andere Würzstoffe zugesetzt, etwa Früchte, Kräutermischungen wie Grut oder auch andere Gewürze. Bier entsteht durch Fermentation. Der Ausgangsstoff für die Gärung ist immer die Stärke. Der Zucker wird aus der Stärke von Getreide durch Mälzen oder andere enzymatische Verfahren gewonnen. Der Alkoholgehalt der meisten Biersorten liegt in Deutschland und Österreich zwischen 4,5% und 6%. Alkoholfreie Biere werden durch zwei verschiedene Verfahren – Abbrechen der Gärung oder Extraktion des Alkohols aus normalen Bieren – erzeugt. Hopfen gilt als Seele des Bieres, obwohl der Anteil beim Bierbrauen mit ca. 200 bis 500 Gramm pro Hektoliter relativ klein ist. Ohne Hopfen würde dem Bier nur der charakteristische und gleichzeitig erfrischende Bitterton fehlen! Gleichermaßen wichtig für den unverkennbaren Biergeschmack ist das Wasser.

Die Vollendung des Biergenusses

In Europa gibt es ca. 1000 Brauereien und fast ebenso viele Biergläser. Denn jeder Biertyp – vom Pils bis zum Zwickl und vom Weißbier bis zum Bock – entfaltet seine Vorzüge am eindruckvollsten in einem maßgeschneiderten Glas. Schon der Duft eines Bieres verändert sich, je nachdem wie viel Raum ihm das Glas zur Entfaltung seiner Aromen gibt. Die Glasform bestimmt auch den Fluss des Bieres, damit auch den Auftreffpunkt auf der Zunge und so die Wahrnehmung als süßlich-rund (vom Malz) oder hopfig-herb (vom Hopfen). Und: Nur wenn das Getränk die gesamte Zunge ungehindert umfließen kann, kommen alle Geschmackskomponenten voll zur Geltung. Deshalb stellen die Brauereien für Ihre Biere auch die individuell passenden Gläser zur Verfügung. Denn Bierkultur ist immer auch eine Kultur des Glases.

Brau-Silvester

Rund um den 30. September ist man in einigen Brauereien festlich gestimmt. Beim traditionellen Brau-Silvester werden sowohl die vergangene als auch die kommende Biersaison gefeiert. Das Brauchtum stammt aus einer Zeit ohne Kühlsysteme, in der an eine ganzjährige Bierproduktion nicht zu denken war. Man stellte die Produktion über die Sommermonate ein und begann erst Anfang Oktober wieder mit der Bierherstellung. Moderne Technik machte den Brauch zwar obsolet, das beliebte Freudenfest entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte aber zu einem Fixtermin im Bierjahr.

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