Chapeau? Chapeau!

... Comeback des Männer-Hutes

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Chapeau? Chapeau!2017-11-23T15:12:43+00:00

Projektbeschreibung

Hamburg | Ausgabe 19 | Frühling 2017 Text: Klaus Dörre

Ganz „out“ waren Hüte ja nie. Bei Damen sowieso nicht. Oder bei Herren, die souverän genug waren, ihrer Persönlichkeit und ihrem Status entsprechend – und unabhängig von „Trends“ – ihrem ganz eigenen Gefühl für Stil und Kultur zu folgen. Oder bei gesellschaftlichen Anlässen, wie dem berühmten Wiener Opernball, bei denen Zylinder und Frack für Herren nach wie vor zum verbindlichen Dresscode gehören.

Design-Ikonen wie Philippe Starck tragen und trugen – unabhängig von „Trends“ – selbstverständlich auch Hut-Klassiker. Für Berühmtheiten wie Buchautor Sir Terry Pratchett („Die Scheibenwelt“) war der Hut – in diesem Fall ein markant-breitkrempiger in Schwarz – unverzichtbares Accessoire und Persönlichkeitsmerkmal. Alain Delon, seinerzeit „der Schönste weit und breit“ (FAZ), glänzte in seiner ikonischen Rolle in „Der eiskalte Engel“ selbstverständlich mit Borsalino, dito Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann in „Casablanca“. Als – mit Verlaub – „hartgesottenste“ Konstante in Sachen Hüte in der Damen-Welt gilt (selbstverständlich) Ihre Majestät Queen Elisabeth II. von England. Und während die königliche Loge beim berühmten Pferderennen von Ascot mit souverän-nobler Eleganz glänzen muss, treibt die Hüte-Kultur der Ladies von Ascot trotz verschärfter Dresscodes nach wie vor z.T. äußerst skurrile Blüten.

Bei Mens Fashion jedoch war „Hut“ spätestens seit 1968 sowas von „out“ und galt vielen und lange als Inbegriff der „bürgerlichen Spießigkeit“ (Stichwort: „Mann mit Hut im Auto“). Das sollte sich erst im Laufe der 1980er Jahre ändern, als ideologiebestimmte „No-Gos“ einer freieren, flexibleren und kreativeren Grundstimmung in Gesellschaft und Styling wichen und Modedesigner und Couturiers mit dem Mixen von Stilen begannen Aufsehen zu erregen – begleitet von Soul, Funk, Disco, Hip-Hop und Techno, die nicht nur musikalisch neue Akzente setzten. Denn viele – scheinbar neue – Stil-Impulse kamen – wie so oft – direkt von der „Straße“. So waren Bands wie RUN-DMC mit die ersten, die auch in puncto Styling Hypes in der Jugendkultur auslösten: Zu schweren Goldketten und edlem Lederoutfit trugen sie die Sport-Sneaker mit den berühmten „drei Streifen“ und hauchten damit einer bis dato fast schon als verstaubt geltenenden Marke nachhaltig neues Leben ein – und: Sie trugen mit als erste klassische schwarze Hüte. Damals noch ein (bewusster, rebellischer) Affront für Traditionalisten, für die Fashionwelt allerdings eine der Initialzündungen für eine Neudefinition der Hutmode und für das langsame …

… Comeback des Männer-Hutes

„Der Männerhut ist der neue Bart“, titelte gegen Ende letzten Jahres ein bekanntes Fashion-Magazin für Herren. Will sagen: Der Bart als Trend ist langsam „ab“, „Hut“ etabliert sich als neuer Trend; der – vorläufige – Höhepunkt eines Comebacks, das sich angesichts der langen Anlaufzeit zur nachhaltig-anhaltenden Style-Konstante entwickeln könnte.

Wenn also heute Kunstfälscher und Meisterdieb Neal Caffrey (gespielt von Matt Bomer) in der US-Krimiserie „White Collar“ als – nicht ganz freiwilliger – Mitarbeiter seines Freundes und FBI-Agenten Peter Burke mit eleganter Geste seinen Borsalino aufsetzt, werden nicht nur Frauenherzen schwach angesichts der Eleganz des schönen, intelligenten und trickreichen Charmeurs. Justin Timberlake begeistert seine Fans mit Trilby und wurde vielleicht auch deswegen von Fashion One TV in den USA zum bestangezogenen Mann gekürt. Und Johnny Depp … kaum einem steht Hut besser als Johnny Depp! … sagen viele. Kombiniert werden Klassiker wie u.a. Borsalino, Panama-Hut, Trilby, ja selbst Bowler-Hat oder Basken“mütze“ heute nicht mit dem in den 1960ern „gültigen“ Outfits, sondern frei mit passenden Styles aller Couleur.

Die neue Freiheit

Gerade diese Unbefangenheit lässt heute immer mehr Mode-Aficionados – auch die, die vollkommen überzeugt davon waren, dass sie absolut kein „Hut-Typ“ sind – entdecken, dass „Hut“ auch für ihr individuelles Outfit ein absolut passendes Accessoire sein kann. Zumal es auch für Männer – wie bei den Damen schon lange – neben den Klassikern viele Adaptionen, Varianten und Neu-Kreationen gibt, die in Form- und Farbgebung schlichtweg spannend sind. Auch ein Verdienst alteingesessener Hutmanufakturen, die die Tradition der Hut-Klassiker weiter pflegten, sich aber nicht scheuten neue Wege zu gehen. Hinzu kommen einige sehr kreative Hut-Designer/innen, die oft mit völlig neuem Zugang zu Farben und Formen exquiste Neuschöpfungen auflegen.

Respekt. Fairness. Anstand.

Wussten sie übrigens, dass die saloppe Geste des Hut-Antippens oder des respektvolleren Hut-Anhebens als Gruß dieselben Wurzeln hat wie der militärische Gruß des Salutierens und auf die Ritterzeit zurückgeht? Robert Redford hat es in dem Filmdrama „Die letzte Festung“ als Lt. General Eugene Irwin einem Mitgefangenen so eindruckvoll erklärt: „Wenn zwei Ritter sich in Rüstung und zu Pferd begegneten, schoben sie mit der Hand das Visier hoch, um ihre friedlichen Absichten und ihren Respekt zu zeigen. Diese langsame Handbewegung ist der Ursprung des Salutierens.“ Auch das Hut-Antippen geht auf diese Geste zurück. Das Hut-Anheben entspricht dem Abnehmen des Ritterhelmes, als noch freundlichere und noch mehr Offenheit zeigende Haltung. Wäre es nicht schön, wenn – gerade in der heutigen Zeit – der Hut auch im Sinne von ehrlichem Respekt, Fairness und Anstand unter freien Menschen zu mehr als einem stylischen Mode-Accessoire würde?