Die Entdeckung des Raumes

Loft Panzerhalle, Salzburg

  • Hauptraum mit Küchenzeile im Loft Panzerhalle, Salzburg
    Quelle: Tobias Colz
Die Entdeckung des Raumes2017-12-14T13:17:48+00:00

Projektbeschreibung

München | Ausgabe 42 | Winter 2017

2013 gingen die smartvoll Architekten als Sieger aus dem international ausgeschriebenen Wettbewerb für das Loft in der Salzburger Panzerhalle hervor. Seitdem wurde das 2015 realisierte Projekt mit zahlreichen Designpreisen überhäuft: iF DESIGN AWARD, ID Best of Year Award, IIDA Global Excellence Award und WIN Awards 2016.

Ihr Entwurf besticht durch eine besondere Dramaturgie des Raumes. Auf 350m² und zwei Geschossen wird die klassische Idee von „Loft“ zwar spürbar, aber in vielerlei Hinsicht neu interpretiert. „Ich spiele nie mit der Fassade, dort wohne ich nicht“, meinte einst Adolf Loos. Und wie Loos sich mit Raumbegriffen beschäftigt hat, so gehen auch smartvoll über 100 Jahre später an die Sache heran. Nicht zuletzt in der Ausreizung der Materialität und des technisch Möglichen. Die Architektur entfaltet sich innen. Das Raum- und Materialkonzept entwickelt Vorgefundenes weiter und erhält Bestehendes. Geschliffener und gewachster Beton ist neben Ziegeln und weiß lackiertem Stahl das maßgebende Material in der Innenraumgestaltung.

Charme und völlig neue Qualitäten

„Wir wollten dem Raum seinen ursprünglichen Charme wieder einhauchen. Großzügigkeit und das räumliche Erleben der gesamten zwei Geschosse standen im Vordergrund. In allen Dimensionen“, erklärt Architekt Philipp Buxbaum. Der Raum wird nicht nur erhalten, er wird mit völlig neuen Qualitäten angereichert. Um die Helligkeit überall gleichmäßig zu gewährleisten, verzichtete smartvoll auf typische Galerien und hielt das obere Fensterband praktisch frei. Schlafzimmer, Bad und Gästezimmer sind als Körper verteilt in den Raum gestellt. Im Mittelpunkt steht immer noch die Küche – als sieben Meter langer Block. Umspielt wird das Ganze von einer Beton- oder Treppenskulptur, die nicht nur alle Räume erschließt, sondern sie auch zu tragen scheint. „Über die raumgreifende Treppenskulptur erlebt man den Weg zwischen den Ebenen nicht als vertikale Funktionsverbindung, sondern als spannungsgeladenes räumliches Erlebnis“, so Architekt Christian Kircher.

Architektur in der Architektur

Nebenbei zoniert diese Skulptur den gesamten Raum, schafft ein Dach für die Küche, Nischen, Erhöhungen und die Möglichkeit, in Bewegung zu bleiben – und überall alles zu sehen. Das gilt auch für die Glasdusche, die vollverglast aus dem Badblock auf fünf Metern Höhe in den Raum ragt. Solche James-Bond-Ausstattung ist überall zu finden. Das absolute Highlight ist der – doch etwas versteckte – Wellnessbereich. Kamin inklusive.

Die Treppe ist eine Architektur in der Architektur. Vor Ort betoniert, wird die Technik in jeder Hinsicht ausgereizt. Ein zartes Objekt mit minimalsten Dimensionen, aber gewaltiger Raumwirkung. Die auch keine Konkurrenz verträgt: Neben dem Beton kommen im Loft nur feine, semitransparente Materialien wie Profilit als Abtrennung des Gästebereichs, Vorhänge für das Schlafzimmer oder integrierte Möbel – wie ein hängendes Stahlregal – zum Einsatz. Alle anderen Möbel scheinen in den Bau integriert. Ein unverrückbares Bild – das nur den Freiraum zelebriert. „Raum- und Blickbeziehungen bleiben wunderbar intakt und der Raum wird nicht in separate Volumen geschnitten, sondern bleibt perfekt mit seiner beeindruckenden Höhe von bis zu acht Metern erlebbar.“

Auf der unteren Ebene sind zwei Balkone angeschlossen. Doch auch diese Fassade ordnet sich den Trägern der Betonskulptur in der Neigung unter. Die Balkone erscheinen wie zusätzliche Nischen des Gesamtkonzeptes: mit einem kontemplativen Zen-Garten inklusive Grashügel und Jasminbaum und einer klassischen Relax-Terrasse.

Über smartvoll

Smartvoll: Das sind nicht nur Philipp Buxbaum und Christian Kircher. Smartvoll ist ein Team von Querdenkern und Visionären. Der Fokus liegt dabei ganz klar auf dem architektonischen Entwurfsprozess. „Das Ziel vor Augen, beschreiten wir immer neue Wege und probieren diverse Abzweigungen, um schlussendlich mit neuen und außergewöhnlichen Lösungen überraschen zu können“, ist die Philosophie des Teams. Und: „Kein Gedanke sollte ungedacht bleiben, wenn man eine diffuse Ausgangssituation in prägnante Klarheit verwandeln will.“ Der kreativen Freiheit im Entwurfsprozess steht bei smartvoll ein strukturierter Realismus bei der Umsetzung gegenüber. „Was aber in beiden Punkten nicht fehlen darf, ist ein unprätentiöses Umfeld, in dem man Spaß haben und lachen kann.“

Kontakt

smartvoll Architekten ZT KG
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