Ein Gin mit „Saudade“

Von der Algarve nach Altona

  • Quelle: Gin Sul
Ein Gin mit „Saudade“ 2017-11-14T10:52:16+00:00

Projektbeschreibung

Hamburg | Ausgabe 20 | Herbst 2017 Text:Patrick Lindner

Gin Sul ist vergleichbar mit dem Küstenwind: Rau, ein bisschen salzig und durchaus in der Lage, gestandene Männer ins Wanken zu bringen. Streifzug hat sich den Altonaer Gin zur Brust genommen und herausgefunden, was es mit der Geheimzutat „Saudade“ auf sich hat.

Seit Beginn der Gin-Renaissance vor etwa sieben Jahren haben viele Marken ihr Debüt gefeiert. Doch nur wenigen ist es gelungen, über die Tresen ihres Heimatkiezes hinauszukommen und nachhaltigen Erfolg zu verzeichnen. Eine der glücklichen Ausnahmen heißt „Gin Sul“. Zwischen Phoenix-Hof und Kulturfabrik gründete Stephan Garbe im Jahre 2013 Hamburgs kleinste Gin-Manufaktur und erfüllte sich damit gleich mehrere Träume. „Ich hing meinen Job an den Nagel, kratzte meine Ersparnisse zusammen und erlernte in einer Obstbrennerei die Fertigkeiten des Destillierens. Wenige Monate später floss bereits das erste Wacholderdestillat in die Edelstahlkannen“, resümiert der gebürtige Hamburger beim Rundgang durch seine „Altonaer Spirituosen Manufaktur“.

Verglichen mit dem Produktionsvolumen der großen Brennereien erscheint der Output in Garbes Unternehmen fast homöopathisch. Etwa hundert Liter passen in die kupferne Brennblase der Destillieranlage aus dem Hause „Arnold Holstein“. Gerade genug, um ein Netz aus Fachhändlern, Filialisten und ausgewählten Gastronomiebetrieben zu versorgen. Dimensionen wie bei Hendrick’s oder Tanqueray peilt Garbe nicht an. Gin Sul soll ein Kind Hamburgs bleiben – mit unverkennbaren portugiesischen Wurzeln.

Der Schlüssel zur (G)inspiration: „Saudade“

Denn neben seiner Leidenschaft für Gin prägt eine tiefe Liebe zu Portugal Stephan Garbes Schaffen. Bei zahllosen Wanderungen entlang der West-Algarve stieg ihm der eigentümliche Geruch von Meersalz, Wachholder und Zistrose in die Nase. Eine Mischung, die er auch in Hamburg nicht mehr missen wollte: „Einerseits hat man das Würzige und Herbe von der Wacholderbeere und andererseits das Süßliche von der Zistrose. Das ist ein wunderbares Ying und Yang.“ Weitere regionale Botanicals wie Rosmarin, Piment und Lavendel sollten sich im Laufe der Zeit dazugesellen, ehe die Rezeptur ihrem Namen alle Ehre machte: „Saudade“. Ein Wort, das nur im Portugiesischen existiert und gemeinhin als unübersetzbar gilt. Es entspricht einem schummrig-schönen Gefühl von melancholischer Sehnsucht. In Garbes Fall einer Sehnsucht nach Portugals ungestümer Natur, die er in tönernen Flaschen einfangen will.

Von der Algarve nach Altona

Auch heute pflückt der Hamburger einen Teil der Zutaten für seinen Gin Sul persönlich – unter anderem Zistrosen von der Steilküste oder die aromatischen Zitronen aus eigenem Anbau im Küstendörfchen Odeceixe. Etwa anderthalb Tage bevor der Brennvorgang beginnt, setzen Garbe und sein Team ein sogenanntes „Mazerat“ auf, das aus Wasser, Alkohol und einigen Botanicals besteht. So können sich die ätherischen Öle von Wacholderbeere langsam mit der Flüssigkeit verbinden. Kurz vor Destillationsbeginn werden Zitronenschalen, Rosmarin und Rosenblätter in den Geistkorb eingefüllt. Dieser wird dann von den Alkoholdämpfen des erhitzten Mazerats durchströmt, wodurch die Spirituose weitere fein nuancierte Aromen erhält.

Diese Detailliebe macht sich beim Geschmackstest bemerkbar: Schon in der Nase hüpfen holzige und süßliche Aromen um die Wette. Das Wacholderdestillat liegt weich auf der Zunge und zeigt keinerlei Anzeichen von alkoholischem Brennen. Das Geschmacksprofil ist breit und reicht von blumigen Vanillenoten, frischem Zitrus bis hin zu herbem Wacholder im Hintergrund. Im Abgang schmeckt man eine überraschende Prise Salz und mit ihr ein Quäntchen dieses mysteriösen „Saudade“. Wer sich davon überzeugen möchte, genießt einen Schluck mit guten Freunden oder bucht ein Tasting mit Stephan Garbe und seinem Team in der gemütlichen Altonaer Spirituosen Manufaktur.

Kontakt 

Altonaer Spirituosen Manufaktur
Bahrenfelder Steindamm 2
D-22761 Hamburg
info@gin-sul.de
T +49 (0)40 22637923
www.gin-sul.de

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