Ein Haus am See

Stephan Maria Lang macht Architektur für die Seele

  • Steg - Stephan Maria Lang
    Quelle: Hans Kreye
Ein Haus am See2018-07-24T09:41:00+00:00

Projektbeschreibung

MÜNCHEN | AUSGABE 36 | SOMMER 2016

Ein Haus ist wie ein Buch. Es muss sich Seite für Seite, Raum für Raum öffnen. Der Architekt Stephan Maria Lang macht Architektur für die Seele.

Das von Stephan Maria Lang konzipierte Haus_K in Seeshaupt am Starnberger See wurde 2010 mit dem Architekturpreis der Reiners Stiftung ausgezeichnet und war 2013 „Landhaus des Jahres“. Die Vorgabe für den Architekten war ein schmales 6000 m2 großes Badegrundstück am Starnberger See und der Wunsch der Auftraggeber nach einem originären Sommerhaus. Analog zur japanischen Kultur sollte die Verschmelzung zwischen Bauwerk und Natur im Vordergrund stehen.

Organische Wechselspiele

In ländlich anmutendem Rahmen schuf er eine Inkarnation der Verfeinerung, der Perfektion im Detail, des organisch-offenen, dynamischen Raumflusses und des ständigen Wechselspieles der Veränderungen im Wechsel der Jahreszeiten. Eine Wohnbühne, die Tag für Tag die Schauspiele der unterschiedlichen Sinneseindrücke am See erleben lässt. Ein Gesamtkunstwerk, bei dem die Architektur, das Mobiliar und der Garten neben der direkten Anbindung zum Wasser auch die Stimmung der angrenzenden Osterseen mit ihren charakteristischen Feuchtwiesen einfängt. Gartenarchitektonisch wurde deshalb ein Teil der ursprünglichen Uferlandschaft wiederhergestellt und diese durch behutsame Eingriffe poetisch überhöht.

Genial einfach, einfach genial

Das entworfene Gebäude folgt rechtlich den Vorgaben des Bebauungsplanes: Haus mit Satteldach und den üblichen Auflagen. Werden diese 1:1 erfüllt, dann ist meist das architektonische Mittelmaß vorgezeichnet. Stephan Maria Lang machte daraus ein geniales Ensemble: Sein Entwurf assoziiert wohltuend vertraut – mit typisch regionaler Prägung – das Erscheinungsbild eins Bootshauses oder Werftgebäudes am See. Er setzte in Anlehnung an die Slip-anlagen von Bootswerften einen L-förmigen Baukörper in Nord-Süd-Richtung auf einen Holzsteg. Damit konnte der Wunsch der Auftraggeberin nach einer Sichtachse vom Eintritt in das Haus bis zum See und zum Horizont planerisch verwirklicht werden. Das Ergebnis ist ein innerer Sichtbetonkubus, über den sich raffiniert ein gefaltetes Holzschindeldach aus kanadischer Zeder legt – eine Referenz an die japanische Origami-Kunst.

Die 50 cm starke Schindelhaut der Fassade wirkt als Hülle architektonisch prägend. Im Innenraum wird sie als weiß gekalkte Eichen-Auskleidung an Boden, Wand und Decke wahrgenommen. Ungewöhnlich und raffiniert ist auch die großzügige Veranda im Schlafbereich des Obergeschosses: Sie komplettiert eine räumlich intime Situation mit gleichzeitig größtmöglicher Offenheit im Konzept einer typischen Bootshaus- oder Werftfassade. Der überdachte Bereich mit Holzuntersicht – eine Transformation des oberbayerischen Geranien-Balkons – suggeriert nach außen einen regionaltypisch geschlossenen Baukörper.

Die Kunst von Licht und Schatten

Im Innenraum vertieft sich der Entwurf bis ins kleinste Detail in die Atmosphäre eines jeden Raumes – auch um den jeweils unterschiedlichen Lichteindrücken Rechnung zu tragen. Südlicht aus dem Obergeschoss wird über einen Luftraum bis in die Tiefe des Erdgeschosses geführt. Ein zweigeschossiges Atelierfenster fängt das durch den Baumbestand mystisch gefilterte Ostlicht ein. Große Glasflächen nach Süden und zum See schaffen eine lebendige Beziehung vom Innen- zum Außenraum, von geformter Architektur zur Unmittelbarkeit der gewachsenen Natur: Die vorüberziehenden Wolken spiegeln sich im flächig eingeschliffenen weißen Naturstein, die Patina der Schindeln lässt das Gebäude mit seiner Umgebung verschmelzen; sie findet ihr Pendant im patinierten Sichtbeton, der die Wirkung von Licht und Schatten hervorhebt.

Baukunst par excellence

Die Einzigartigkeit des Orts zu erkennen und zu transzendieren, die sinnliche Kraft von Raum und Material zu nutzen, sublime Lichtgestaltung und eine räumliche Synergie von Intimität und Weite zu realisieren: das waren die Ziele des organischen Konzeptes von Stephan Maria Lang. „Ich möchte bewohnbare Raumplastiken schaffen, bequem und gelassen wie ein Maßanzug”, so sein Credo. Das Ergebnis ist ein baukünstlerisches Geschenk für die Bewohner und eine nicht nur ästhetische Bereicherung für die Landschaft und für die Gesellschaft als Betrachter.

Kontakt 

Stephan Maria Lang
Architektengesellschaft mbH
Winterstraße 4 Rgb.
D-81543 München
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