Projektbeschreibung

München | Ausgabe 46 | Winter 2018

In der Kolbergerstraße 5 in München-Bogenhausen, am südlichen Eingang des Herzogparks und zugleich direkt im städtischen Leben des Viertels um die Montgelasstraße verankert, entwickelt Euroboden derzeit mit dem britischen Stararchitekten David Chipperfield einen fünfgeschossigen Neubau mit großen Wohnungen auf insgesamt 2800 Quadratmetern Wohnfläche. Auf einem 1300 Quadratmeter großen Doppelgrundstück, unmittelbar gegenüber des Parks, entsteht ein Haus, das als fehlender Stadtbaustein das gründerzeitliche Ensemble zwischen Kolberger- und Mauerkircherstraße komplettiert und sich dabei sensibel in das historische Gefüge des Viertels einfügt.

Im Dialog mit Stefan Höglmaier, dem Gründer von Euroboden, hat David Chipperfield einen idealen Entwurf entwickelt, der die historischen Typologien der Umgebung aufgreift und neu interpretiert. Er entwirft die zeitgenössische Version eines historischen Münchner Stadtpalais’ (*), das sich als freistehendes, fünfgeschossiges Gebäude in Größe, Form und Materialsprache an seinen Nachbarn orientiert. Ohne sich historisierend anzubiedern, setzt das neue Haus die Reihe klassizistischer Doppelhäuser entlang der Kolbergerstraße typologisch fort. Wie diese steht auch der Neubau mittig auf seinem Grundstück und wird ringsum von einem privaten Garten gefasst. Anders als die historischen Doppelhäuser der Nachbarschaft mit ihren getrennten Haushälften finden sich in diesem Stadtpalais großzügige, die ganze Hausfläche durchquerende Wohnungsvarianten: Etagenwohnungen, ein zweigeschossiges Penthouse sowie zwei je dreigeschossige Wohneinheiten mit eigenen Gärten, die wie zwei eigenständige Villen in einer großen stecken.

Chipperfields Architektur ist dezidiert und feinsinnig, mit vielen gestalterischen Untertönen und Nuancen. Diese grundsätzliche Haltung lässt sich in der Kolbergerstraße 5 gut an der Fassade ablesen, die Chipperfield ebenso zurückhaltend wie eindringlich ausformuliert: In ihren Proportionen und Strukturen greift sie die gestalterische Sprache der Nachbarschaft auf. Der zwischen Euroboden und Chipperfield entwickelte Entwurfsgedanke lässt einen angenehmen und wohltemperierten Neubau entstehen.

Es sind nicht nur Material und Detail, die die besondere Qualität der Wohnungen ausmachen, sondern vor allem die klugen Grundrisse von Chipperfield. Alle Wohnungen öffnen sich nach drei Richtungen und bieten einen zentralen Wohnraum mit offenem Kamin und zwei Loggien, wobei die eine zum Park und die andere zum Garten des Hauses weist. Raumhohe Flügeltüren, die sich bündig in ihre Laibungen öffnen, schaffen breite Sichtachsen und übergangslose Raumverbindungen. Durch diese Achsen sowie die großen Fenster und Loggien wird der Ausblick auf das Grün des nahen Parks zum festen Bestandteil des Wohnens.

(*) Alles wird Palais

Wir haben uns sehr bewusst und nach langer Diskussion dafür entschieden, den Begriff eines „zeitgenössischen Stadtpalais“ zu verwenden. Wir wissen sehr genau, dass gerade die Immobilienbranche solche Begriffe in einem so inflationären Maße verwendet, dass sie jegliche Bedeutung verlieren; wenn auf einmal jedes noch so mittelmäßige Projekt als „exklusives Stadtpalais“ vermarktet wird, dann bedeutet es nichts mehr. In diesem Projekt hat der Begriff eines „zeitgenössischen Stadtpalais“ jedoch aufgrund der historischen Bezüge, der städtebaulichen Situation, des Kontextes sowie der großzügigen Qualitäten der Wohnräume eine eindeutige Berechtigung und ein starkes argumentatives Fundament. Wir erobern uns den Begriff „Stadtpalais“ zurück!

Fakten

Gesamtwohnfläche: 2800 m²
Bauzeit/Fertigstellung:
voraussichtlich Ende 2020
Projektbeteiligte: David Chipperfield mit Mark Randel (Architekten), Erica und Federico Ratti (Landschaftsarchitekten), Euroboden (Bauherr)

Der Architekt David Chipperfield

Der Brite David Chipperfield ist einer der wichtigsten Architekten unserer Zeit. Nach einer Epoche, in der vor allem formale Experimente und zeichenhafte Gebäude weltweit für Aufmerksamkeit sorgten, stehen Chipperfields Gebäude mit ihrer ruhigen, rationalen Eleganz und selbstbewussten Präsenz für ein Statement der Ruhe und Klarheit. Zu seinen gestalterischen Leitlinien gehören die formale Reduktion und die Konzentration auf das Wesentliche seiner Räume sowie eine außergewöhnliche Sensibilität für die Nachbarschaft und Historie der Projekte. Chipperfields Gebäude scheinen die Orte, an denen sie entstehen, nie übertrumpfen oder dominieren zu wollen; es sind stets atmosphärisch angenehme und eher leise Architekturen, in denen sich unterschiedliche Referenzen und zeitliche Schichten bündeln und eine gemeinsame, neue Essenz bilden. Das macht ihn zu einem einzigartigen Architekten, der sich damit ideal für das Projekt in der Kolbergerstraße 5 eignet, an dem er gemeinsam mit seinem langjährigen Mitarbeiter Mark Randel arbeitet.

Der Bauherr Euroboden

Euroboden versteht Architektur als gebaute Kultur. Seit seiner Gründung 1999 durch Stefan F. Höglmaier hat sich Euroboden als einer der führenden Entwickler von städtebaulich und architektonisch hochwertigen Wohnimmobilien im deutschsprachigen Raum etabliert. Die architektonische Vision jedes Projekts gestalten Geschäftsführer Stefan F. Höglmaier und sein Team im offen geführten Dialog mit renommierten Architekten wie Amandus Sattler, Jürgen Mayer H., Arno Brandlhuber, Andreas Hild, Peter Haimerl, Titus Bernhard, Muck Petzet oder David Adjaye. Dabei werden die spezifischen Inhalte der jeweiligen Bauaufgabe – von gesellschaftlicher Verantwortung bis zur Ausführung architektonischer Details, von der Akquise über die Entwicklung bis in den Verkauf – in einem permanenten Austausch aller Projektbeteiligten entwickelt. Diesen schöpferischen und synergetischen Prozess bezeichnen wir als Architekturkultur.

Die Projekte von Euroboden sind dafür in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Best Architects Award und dem German Brand Award. Aktuell entwickelt Euroboden u.a. Projekte mit David Chipperfield, David Kohn, Sergison Bates und Thomas Kröger.

Kontakt 

Euroboden Architekturkultur
Bavariafilmplatz 7
D-82031 Grünwald
T +49 (0)89 2020 421-20
www.euroboden.de

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