Fisch verliebt

Ein Frühsommerabend in der Weidenallee

  • Quelle: Susanne Dittrich
Fisch verliebt2018-06-28T14:17:28+00:00

Projektbeschreibung

Hamburg | Ausgabe 21 | Sommer 2018 Text: Anke Bracht

Das Jellyfish in der Weidenallee ist das wohl lässigste Gourmetrestaurant der Stadt. Einen Michelin-Stern hat es bereits. Nun wurde es zum besten Fischrestaurant Deutschlands gekürt.

Ein Frühsommerabend in der Weidenallee. Das Leben findet draußen statt; im Wechsel mit kleinen Läden und Manufakturen locken die Angebote der Gastronomie. Hier, in diesem quirligen Kiez am Rande des Schanzenviertels, würde niemand ein Gourmetrestaurant erwarten. Genau deshalb habe er sich ja für diese Location entschieden, sagt Inhaber Hauke Neubecker mit einem Schmunzeln und erklärt auch warum. Der Standort sei Teil der Philosophie, genau wie das legere Ambiente, der authentische Service und das Bekenntnis zu besten, nachhaltig erzeugten Produkten. Das Konzept entstand 2009 während einer Urlaubsreise des passionierten Tauchers, ein Jahr später öffnete das Jellyfish seine Türen – und begeistert seitdem Feinschmecker aus dem In- und Ausland auf angenehm unaufgeregte Weise. Drinnen wie draußen speisen die Gäste an Tischen, deren Treibholzoptik man eher in einer karibischen Strandbar als in einem Hamburger Sternerestaurant erwarten würde. Wunderbar im Kontrast dazu: akkurat drapiertes altes Silberbesteck und die strahlend weißen, gestärkten Servietten.

Hauke Neubecker empfiehlt zum Aperitif einen Rosé aus der Provence und lässt es sich nicht nehmen, die handgeschriebene Schiefertafel mit dem Menü zu präsentieren. Währenddessen kommt der Gruß aus der Küche – eine zarte Auster mit grüner Soße. Sie lässt ahnen, dass „die Teller“, wie Hauke Neubecker die Kreationen auf der Tafel nennt, zu überraschen wissen. Sie alle tragen die Handschrift des neuen Küchenchefs Stefan Barnhusen und entführen den Gast auf eine kulinarische Reise mit fünf, sechs oder sieben Gängen. Gerade einmal 30 Jahre alt, zählt Barnhusen zu den Spitzenköchen des Landes. Die Karriere des gebürtigen Westfalen – Barnhusen stammt aus Soest bei Münster – begann an seinem 20. Geburtstag als Commis de Cuisine im Landhaus Scherrer. Es folgten Stationen bei Christian Jürgens im Überfahrt in Rottach-Egern und bei Claus-Peter Lumpp im Bareiss in Baiersbronn. Nach seiner Küchenmeisterprüfung stand er Dieter Müller auf der MS Europa und Klaus Erfort im Gästehaus Erfort als Sous Chef zur Seite. Letzte Station war das Luce d’Oro in Elmau, wo Stefan Barnhusen als Sous Chef von Christoph Rainer tätig war. Und nun das Jellyfish – eine „tolle Herausforderung“, sagt der Chef de Cuisine. Hier habe er alle Möglichkeiten, seine Ideen mit besten Produkten umzusetzen und den eigenen Stil zu perfektionieren.

Die Gäste sollen Spaß haben, so lautet das Credo des Küchenchefs. Nachdem ich schon Hamachi – hierzulande besser bekannt als Gelbschwanzmakrele – an Lauchvinaigrette und Jalapeno sowie eine „falsche Tomate“ mit Gazpacho und Burrata probiert habe, nasche ich noch am Sous Vide gegarten Pulpo, der fein und mit Raucharomen auf der Zunge zergeht. Er kommt mit Spargel, Salsa Verde und Holzkohle daher, wobei Letztere nicht wörtlich, aber sinnlich verstanden sein möchte: Meine Geschmacksnerven tanzen. Die meisten Gäste wählten die empfohlene Weinbegleitung des Sommeliers, sagt Hauke Neubecker mit Blick auf mein Glas, doch ich bleibe beim leuchtend apricotfarbenen Rosé und genieße die entspannte Atmosphäre in der Weidenallee. Eine leichte Brise weht über die Markise hinweg, fast möchte ich die Schuhe ausziehen und die Zehen in den Sand bohren. Ist da nicht ein leichtes Wellenrauschen? Ich glaube, ich bin fischverliebt.

Kontakt

JELLYFISH fresh fish & sea food
Weidenallee 12
D-20357 Hamburg
T +49 (0)40 410 54 14
reservierung@jellyfish-restaurant.de
www.jellyfish-restaurant.de