Hamburger Hausmusik

Von „Down Under“ ins Wohnzimmer

  • Quelle: Zimba Photography
Hamburger Hausmusik2018-09-20T14:01:01+00:00

Projektbeschreibung

Hamburg | Ausgabe 21 | Sommer 2018 Text: Anke Bracht

Immer mehr Hamburger veranstalten Hauskonzerte – zum Geburtstag, als Salon-Ereignis oder einfach nur so. Eine Geschichte über Auftritte im Wohnzimmer, beseelte Momente und die Begeisterung für Musik.

Robert Carl Blank ist Musiker mit Leib und Seele. Einer, der etwas zu erzählen hat mit seinen Songs – und damit den Nerv der Zuhörer trifft. „Oft kommen Gäste nach einem Auftritt im Club auf mich zu und fragen, ob sie mich auch privat buchen können“, erzählt der Singer-Songwriter aus Hamburg. Gerade hat er sich ein Wohnzimmer angesehen, in dem er im Juni auftreten wird. Er kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Der Gastgeber hat nicht mit so vielen Zusagen gerechnet, nun ist zu wenig Platz. Zum Glück ist der Balkon recht groß und mit ein paar Klappstühlen … das wird schon.“ Der sympathische Künstler mit dem Faible für markante Mützen und Hüte ist ein Pionier der „neuen“ Hauskonzerte.

Seit Jahren zählen Auftritte in den guten Stuben zwischen Flensburg und Passau zum festen Teil seines Tourkalenders. Über das stetig wachsende Interesse wundert er sich nicht: „Privatkonzerte sind ganz einfach Ausdruck unseres Zeitgeists – Netflix auf dem Sofa gucken, sich einkuscheln. Das Leben findet zuhause statt.“ Dazu komme die hohe Emotionalität einer solchen Veranstaltung: „Viele Gastgeber sind ganz aufgeregt, geben sich unendlich viel Mühe und machen eine super Party draus. Es ist jedes Mal einzigartig – und kaum ist die Show vorbei, fragt jemand nach dem nächsten Termin. Bei einigen Fans spiele ich regelmäßig.“

Von „Down Under“ ins Wohnzimmer

Dass Robert Carl Blank heute als Singer-Songwriter begeistert, ist wohl dem impulsiven Kauf eines Flugtickets zu verdanken. Blick nach Frankfurt am Main zur Jahrtausendwende: Der solo und in Bands erfolgreiche Gitarrist bereitet sich auf sein Examen in Amerikanistik und Politikwissenschaften vor, doch da grätscht die Liebe dazwischen und er folgt seiner Freundin nach Australien. „Es hielt nicht lange“, stellt er trocken fest, „und ich bin mit meinem Auto die Ostküste runtergefahren, habe mit Auftritten meine Reisekasse aufgebessert. Ich habe an jeder Steckdose gespielt.“ Aus einem geplanten Jahr „down under“ werden fast zwei. Zurück in Frankfurt beginnt er diese Zeit zu verarbeiten, eigene Songs zu schreiben, zieht durch Clubs und Irish Pubs. Und wird entdeckt. 2008 – kurz vor dem Erscheinen seines Debüt-Albums „Soul Circus“ – zieht er nach Hamburg. Zurzeit arbeitet Robert Carl Blank an Album Nummer fünf, ist on Tour – und gibt Hauskonzerte. Für den Musiker eine wunderbare Gelegenheit, die neuen Songs zu spielen, zu erspüren, wie sie die Menschen berühren.

SofaConcerts

Auch Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt nutzen die neuentdeckte Liebe zu Gigs in den eigenen vier Wänden und haben daraus ein Geschäftsmodell entwickelt: Ihr Hamburger Start-up SofaConcerts bringt Gastgeber und Musiker zusammen. Die Idee dazu hatten die beiden Gründerinnen – sie kennen sich seit ihrer Schulzeit – natürlich beim Besuch von Hauskonzerten. „Die Gäste hatten immer so ein Strahlen im Gesicht“, sagt Miriam Schütt, „und wir haben uns gefragt, warum gibt es nicht viel mehr Konzerte dieser Art?“ Ihre Vision sei eine „Anlaufstelle für gute Live-Musik in Europa“ gewesen, „niedrigschwellig für die Nutzer und mit einem permanenten Qualitätsfilter 2014 geht.“ SofaConcerts an den Start und ist mittlerweile in sechzehn Ländern präsent, von Frankreich über Vietnam bis Kanada reichen die Kontakte. Rund 5.000 Künstler haben bislang ihr Profil hinterlegt und veranstalten Sofakonzerte auf internationaler Basis. Wer mag, kann also auch Musiker aus USA, Australien oder Schweden zu sich einladen. Aufnahmekriterien sind die Qualität von Website und Videos der Künstler. „So findet man bei SofaConcerts eine große Auswahl an ganz unterschiedlichen Bands, die die Gäste in ihren Bann ziehen und überzeugen“, so Miriam Schütt. Für den Gastgeber ist die Vermittlung kostenlos, 13% der vereinbarten Gage gehen an SofaConcerts.

Musik in den Häusern der Stadt

Wie groß das Interesse an Hauskonzerten ist und mit wie viel Begeisterung die Hamburger dabei sind, lässt sich auch am Erfolg des Projektes KunstSalon ablesen. Was mit einigen wenigen Konzerten 1998 in Köln begann, ist seit einigen Jahren auch ein fester Bestandteil des Hamburger Kulturkalenders: Das in diesem Jahr vom 13. bis zum 18. November stattfindende Festival „Musik in den Häusern der Stadt“ versteht sich genreübergreifend und bietet dem musikalischen Nachwuchs ebenso eine Bühne wie etablierten Künstlern. Das Programm wird erst im September veröffentlicht, doch Gastgeber können sich schon jetzt akkreditieren. Robert Carl Blank hat sich bereits angemeldet und sein Heimstudio als Veranstaltungs-Location zur Verfügung gestellt. Vielleicht spielt er sogar mit? Das klingt nach feinster Hamburger Hausmusik.

Kontakt 

Robert Carl Blank
www.robertcarlblank.de
www.facebook.com/robertcarlblank
info@robertcarlblank.de

SofaConcerts
Neuer Kamp 32
D-20357 Hamburg
T +49 (0)157 71 86 11 27
info@sofaconcerts.org
www.sofaconcerts.org

KunstSalon
Musik Festival Hamburg
Maike Schäfer
T +49 (0)178 637 33 91
schaefer@kunstsalon.de
www.kunstsalon.de