Projektbeschreibung

Wien | Ausgabe 21 | Frühling 2018 Text: Jana Unterrainer

Das Wiener Leopold Museum präsentiert derzeit ein bisher gut gehütetes Geheimnis in einer außergewöhnlichen Ausstellung: „WOW! The Heidi Horten Collection“. Der Titel hält, was er verspricht. Präsentiert werden über 150 Werke aus verschiedenen Stilrichtungen. Die Spanne der ausgestellten Bilder und Skulpturen reicht vom Impressionismus bis zur Gegenwart. Die Kunstschätze, die die Sammlerin Heidi Goëss-Horten über die Jahre hinweg zusammengetragen hat, sind eine Sensation.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die inhaltliche Breite der ausgestellten Werke, sondern auch die vertretenen Namen: Pierre-Auguste Renoir, Marc Chagall, Gustav Klimt, Henri Matisse, Joan Miró, Pablo Picasso, René Magritte, Lucio Fontana, Jean Dubuffet, Francis Bacon, Yves Klein, Alex Katz, Roy Lichtenstein, Georg Baselitz u.v.m.

Die Mäzenin Heidi Goëss-Horten lässt die Öffentlichkeit an ihrer Sammlung teilhaben und trägt zudem alle Ausstellungskosten: Sie übernahm den Transport, die Versicherung, kostenlose Führungen und den Gratiseintritt jeden Donnerstag von 18 bis 21 Uhr. Für das Leopold Museum und die Kuratorin Agnes Husslein-Arco ist es eine besondere Ehre, diese Sammlung beherbergen zu dürfen.

Brücken schlagen

Die Sammlerin hegte schon länger den Wunsch, ihre Sammlung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bisher hatte sie aber nur einzelne Werke für Ausstellungen verliehen. Ganz spontan trat Goëss-Horten nun an ihre langjährige Freundin und Beraterin in Kunstfragen, Agnes Husslein-Arco, mit dem Wunsch heran, selbst eine Ausstellung zu realisieren. Die Kunsthistorikerin berät Goëss-Horten bereits seit den 1990er Jahren bei der Auswahl und dem Erwerb ihrer Werke. Bei einer wichtigen Auktion in London im Jahre 1994 gelang es ihr, für Goëss-Horten einige Bilder zu erwerben, die heute prägend für die Sammlung sind: darunter Bilder von Marc Chagall, Pablo Picasso oder Lucian Freud. Auf Husslein-Arco geht auch die Idee für den Titel der Ausstellung zurück. Da sie die Sammlung bereits seit Jahren kennt, erschien ihr das „WOW!“ durchaus angemessen.

Goëss-Horten ist es ein großes Anliegen, die Sammlung nun öffentlich zu zeigen. Sie sieht in der Kunst einen wichtigen Bildungsauftrag und in der Kunstvermittlung das Vermögen, Brücken zu schlagen zwischen Generationen, Kulturen und Gesellschaftsschichten.

Gemeinsame Leidenschaft

Das Interesse für Kunst entwickelte Goëss-Horten bereits in ihrer Kindheit. Der Vater – ein Wiener Graveur – interessierte sich für die Malerei und war künstlerisch tätig. Auch sie selbst zeichnete bereits als kleines Mädchen gerne. Seitdem hält ihre Begeisterung für die Kunst an.

Diese Leidenschaft teilte sie auch mit ihrem ersten Ehemann, dem deutschen Unternehmer Helmut Horten, den sie als junge Frau an einer Hotelbar in Velden am Wörthersee kennenlernte. Gemeinsam mit ihm legte sie bereits während der 1970er Jahre den Grundstein für ihre Sammlung. Der Fokus lag damals noch auf dem Expressionismus. Helmut Hortens Tod bedeutete jedoch eine Zäsur für die Sammlung. Erst in den 1990er Jahren nahm Heidi Goëss-Horten ihre Sammlertätigkeit wieder auf und setzte dabei neue Schwerpunkte. Besonders interessierten sie damals die internationale Moderne und Pop Art.

Persönlicher Zugang

Die Auswahl der Bilder erfolgte stets nach Goëss-Hortens individuellem Geschmack. Da sie mit den Bildern und Skulpturen ihre Wohnsitze schmückt, war bei der Auswahl der Werke stets wichtig, dass es ihr gelang, eine persönliche Beziehung zu den Werken aufzubauen.

Der gefühlvolle und persönliche Zugang der Sammlerin wird auch in der Ausstellung spürbar. Trotz der thematischen Breite gibt es verbindende Elemente. Die Farben der Bilder sind zumeist freundlich und einladend. Zudem kommen gewisse Motive – wie z.B. Tiermotive – häufiger vor. Auch hier spiegelt sich der individuelle Zugang zur Werkauswahl wider: Goëss-Horten ist als große Tierfreundin bekannt und spendet regelmäßig an den Tierschutz. In der Ausstellung wurde den Tieren sogar ein eigener Raum gewidmet. Dort sind unter anderem das Bild „Forest Scene“ von Roy Lichtenstein und eine überlebensgroße Affen-Skulptur des Künstlerpaares Les Lalanne platziert.

Und welches ist das Lieblingsbild der Sammlerin? Auch wenn Goëss-Horten eine große Affinität zu all ihren Bildern hat und jedes einzelne liebt, so gibt es offenbar doch einen Favoriten. Und zwar das Bild „Les Amoureux“ des russischen Malers Marc Chagall. Dieser malte es 1913 als Hochzeitsgeschenk für seine Frau Bella.

Die Ausstellung im Leopold Museum ist noch bis zum 29.06.2018 zu sehen.

Kontakt

LEOPOLD MUSEUM
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