Lichte Träume

Projekt mit dem Lichtdesigner Ingo Maurer

  • Ingo Maurer Im Motel One
    Quelle: Frank Stolle
Lichte Träume 2017-09-28T10:15:38+00:00

Projektbeschreibung

München | Ausgabe 41 | Herbst 2017 Text und Interview: Bettina Krause

Einmal ein Projekt mit dem Lichtdesigner Ingo Maurer realisieren zu dürfen: Diesen Traum erfüllte sich das Interior Team von Motel One. In München – nahe dem Deutschen Museum in Haidhausen – hat nun der Meister des Lichts die Beleuchtung der Lounge inszeniert. Das Ergebnis: eine einzigartige Lichtinstallation mit Witz, Charme und … einem Hauch Ironie.

Sein Alter (85) merkt man ihm keinesfalls an: Die Augen leuchten, die Ideen sprudeln, er trägt auffällig rote Schuhe. Er strahlt Warmherzigkeit aus und mag die subtile Provokation. Ingo Maurer ist mit seinen außergewöhnlichen Lampen und Lichtsystemen weltberühmt, lebt in München und gerne auch zeitweise in New York – weil er da, wie er sagt, am Puls der Zeit ist – und jettet regelmäßig über den ganzen Globus. Zum Interview kam er von der Mailänder Lichtmesse Euroluce ins Münchner Motel One „Deutsches Museum”.

Herr Maurer, wir sitzen hier in der fantastischen Kulisse eines Ihrer neuesten Projekte. Wie entwickelt man das Lichtkonzept einer gesamten Hotel-Lounge?

Zunächst ist es ein öffentlicher Raum, und das Wichtigste ist, dass sich die Leute hier wohl fühlen. Wir wollten etwas machen, das die Menschen gebrauchen können und kein Statement von Eitelkeit setzen. Thema des Hotels ist das „Deutsche Museum“. Wenn man hier hereinkommt, sieht man also Interessantes, und Manches ist auch verwirrend oder irritierend.

Unterscheiden Sie, ob Sie Kunst oder Design machen?

Wir machen außergewöhnliches Licht für außergewöhnliche Menschen. Wenn ich fasziniert bin von einer Schraube und finde sie sehr schön, dann ist das für mich dasselbe Gefühl wie ein tolles Bild zu betrachten. Es geht um das, was es im Betrachter auslöst. Manche Leute tun das in die Schublade Kunst, für andere ist es Design. Der Ausgangspunkt ist, Menschen Freude zu bereiten. Wir haben nie Dinge gemacht, die für den Markt ausgerichtet sind, sondern Dinge, die einfach aus mir herauskommen, die ich versuche umzusetzen.

Was ist zuerst da – die Wirkung der Lampe oder ihre Form?

Das Licht kommt immer an allererster Stelle. Dann spiele ich mit der Form und mit der Umgebung. Ein Beispiel ist das „Broken Egg“, das wir in Brasilien bauen. Eier haben diese perfekte Form und ich wollte unbedingt einen Bruch darin haben, um die Schönheit ein bisschen zu verletzen. Das riesige Ei liegt an einem speziell dafür angelegten See in einem Park; es ist 25 Meter lang und 15 Meter hoch. Man kann es über eine 18 Meter lange, steile Treppe betreten und hat dann diesen riesigen Raum vor sich mit Sound und Licht. Das allein ist schon ein tolles Erlebnis. Ich wünschte, ich könnte das hier auch mal machen.

Nehmen wir als Beispiel das Motel One. Wie wurden hier Ihre Ideen Realität?

Am Anfang gehe ich erst einmal in eine Art Meditation. Ich muss mich in den Kunden hineindenken, herausfinden, was er möchte, stelle mich darauf ein, was an dem Ort geschehen soll. Für das Hotel haben wir kleine Modelle von den Räumen hier gebaut. Das ist zwar ein großer Aufwand, aber Motel One war offen und sehr interessiert daran. Wir haben die Objekte dann so lange entworfen und verändert, bis sie stimmten. Ich bin da schon sehr hinterher gewesen, dass jedes Detail am Ende perfekt passt. Wir haben hier sehr gute Stücke von uns verwendet, die unter anderem auch im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen sind.

Ihre Projekte haben oft einen spielerischen Ansatz.Ich mache das nicht mit Absicht. Das kommt einfach spontan. Auch solche Aussagen wie: ich wäre der Poet des Lichts – das ist Quatsch. Poesie kann man nicht machen, sondern sie entsteht. Da sind wir wieder an dem Punkt, wo der Betrachter sein eigenes Bild macht – das finde ich wichtig. Dass der Mensch etwas aus dem machen kann, was er sieht.

Haben Sie immer eine klare Vorstellung von den Dingen, die Sie umsetzen wollen?

Ja, natürlich. Die Idee für „YaYaHo“ entstand zum Beispiel bei einem Besuch auf Haiti vor 30 Jahren. Da war eine große Glühbirne, die einfach so, ohne Fassung, ohne Sicherung über einen Platz gespannt war. Ich habe gedacht: „Ja, das muss alles sichtbar sein – weil es so schön ist!“

Sie haben eine besondere Affinität zu Sprache. Wie entstehen die Namen Ihrer Lampen?

Der Name für „YaYaHo“ zum Beispiel entstand eines Morgens ganz spontan. Wir zeigten die Lampe auf der Mailänder Messe Kunden aus Hongkong, die begeistert waren und nach ihrem Namen fragten. Ich sagte, sie heißt „YaYaHo“ und die fingen furchtbar an zu lachen! Ich dachte schon: „Oh weh, das bedeutet nun etwas ganz Ordinäres.“ Aber „yayaho“ sagt man in China, wenn einem etwas gut gefällt oder man einverstanden ist. Also hatte ich Glück! Aber wenn es eine anzügliche Bedeutung gewesen wäre, hätte es mir vielleicht auch Spaß gemacht.

Kommen wir zum Schluss noch einmal zurück zu dem Ort, an dem wir sitzen. Sind Sie zufrieden mit Ihrer Arbeit?

Es gab anfangs keine konkrete Vorstellung vom Ergebnis, das haben wir alles gemeinsam entwickelt, dafür war der Dialog mit Motel One sehr wichtig. Wir haben versucht, so flexibel und modern zu sein wie möglich. Und ich finde, das ist hier sehr gut gelungen.

Kontakt

Motel One München – Deutsches Museum
Rablstraße 2
D-81669 München
www.motel-one.com

Ingo Maurer Showroom
in Schwabing
Kaiserstraße 47
D-80801 München

Öffnungszeiten:
Mo – Fr 11–19 Uhr
Sa 11–16 Uhr
www.ingo-maurer.com

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