Projektbeschreibung

Hamburg | Ausgabe 22 | Winter 2018 Text: Marion Feichter

Dass im Herzen der Dolomiten, genauer gesagt in den Wäldern um den Latemar, außergewöhnliche Klanghölzer wachsen, ist seit Stradivari weltbekannt. Auf seine Spuren begeben sich die zwei Gitarrenbauer Thomas Orgler und Nikolaus Eilken.

Sie streifen seit der Gründung ihrer gemeinsamen Werkstatt in Bozen durch diese Wälder und fällen die etwa 250 Jahre alten Fichten drei Tage vor dem letzten Neumond des Jahres. Das klingt esoterisch, ist aber eine alte Bauernregel – und hat Einfluss auf Gewicht und Festigkeit des Holzes. Schon beim Betreten der eher funktional wirkenden Werkstatt am Rande von Bozen merkt man, dass die beiden mit viel Leidenschaft ans Werk gehen. Kennengelernt haben sie sich auf der Instrumentenbauschule in Mittenwald. Der Entschluss, gemeinsam ein Atelier zu eröffnen, kam dann einige Zeit später. Dort scheint für den ungeübten Betrachter die Zeit fast still zu stehen, man spürt direkt die Ruhe und Gelassenheit, die nötig ist, um solche Kunstwerke zu schaffen. Neben ihrem unverkennbaren Stilmix aus traditionellem und modernem Design sind ihre Instrumente vor allem wegen ihres klaren und dynamischen Klangbildes bekannt geworden und werden in die ganze Welt an Musiker und Liebhaber verschifft.

Geduld, Präzision und Hingabe

Bevor aus einem Baum eine Gitarre wird, muss dieser allerdings erst einige Jahre lagern. Die klanglichen Eigenschaften des Holzes entfalten sich erst mit dem Älterwerden und den damit verbundenen chemischen Prozessen im Holz. Mit viel Hingabe und unzähligen Stunden Handarbeit fertigen die beiden etwa 30 Einzelstücke im Jahr.

Der Bau einer Gitarre beinhaltet über hundert – präzise aufeinander abgestimmte – Schritte, die alle letztendlich zum Klang beitragen. Neben der Auswahl des Holzes sind vor allem die Frequenzen der Hauptkomponenten Boden, Decke und Hohlraum sowie das Spiel der Kräfteverhältnisse zwischen Saiten, Hals und Decke entscheidend. Alle Instrumente werden schon während der Konstruktion tonal vermessen und auf die jeweiligen Hölzer abgestimmt, so erhalten sie ihr charakteristisches Klangbild.

Meisterwerke aus seltensten Hölzern

Je nach Modell und Ausführung kann so ein Meisterwerk aus seltensten Hölzern bestehen, wie Rio Palisander oder „The Tree“, ein spektakulär gemaserter Honduras-Mahagoni, dessen Maserung so einzigartig ist, dass nur ein einziger Baum je gefunden wurde. Andere – auf den ersten Blick unscheinbare – Schätze aus den Tiefen ihres Holzlagers bekommen erst durch ihre teils unglaubliche Geschichte eine Bedeutung. So findet sich neben dem ehemaligen Dielenboden des „Fuchsloch“ genannten Hauses der Familie Schneider vom Arlberg, dessen Datierung auf 1457 zurückgeht, eine sogenannte Gletscherfichte aus Alaska, die 3000 Jahre lang durch den Gletscher gespült wurde und jetzt durch die Einlagerung von Mineralien eine wunderschöne blau-grünliche Färbung erhalten hat.

Kontakt

www.thomas-guitars.it