Projekt Beschreibung

Kitzbühel | Ausgabe 41 | Sommer 2017 Text: Barbara Jahn

Einer glatten Entführung kommen die Trends 2017 gleich: Fifties, Mix-Match und gedankliches Recycling geben ganz klar den Ton an.

Cleane Produkte, die funktional und perfekt gefertigt sind, sind langweilig geworden. „Zu aalglatt, zu seelenlos“ ist der Tenor. Viel lieber hätte man da einen Tisch, der mit den erkennbaren Astlöchern etwas über den Baum erzählt, aus dem er gemacht ist, oder ein Sofa, dessen Lederhaut verrät, wo die Kuh einmal unfreiwilligen Kontakt mit einer Biene hatte, oder auch eine Steinplatte, die davon berichtet, wie es vor Jahrtausenden so an diesem Ort zugegangen ist. Einrichtungsgegenstände müssen heute Geschichten erzählen, vor allem auch jene über den Designer, über das, was er sich dabei dachte, oder auch über den Weg, den das Möbel selbst vom Blatt Papier als Skizze bis in das Einrichtungsgeschäft zurückgelegt hat.

Nostalgie mit Pepp

„Every piece comes with a story“ ist die Philosophie des dänischen Herstellers Carl Hansen. Seit einigen Jahren schon kramen die namhaften Editeure eifrig in ihren Archiven, um – entsprechend einer gewissen Stimmung – Klassiker zu adaptieren und wieder neu aufzulegen. Viel zu schade wäre es, die guten Stücke dem Flohmarkt zu überlassen. Dieser Trend ist zwar nicht neu, aber er hält sich hartnäckig. Das liegt an verschiedenen Faktoren, etwa deshalb, weil viele der Entwürfe von den 20er bis zu den 70er Jahren hindurch einfach originell und schlicht gut waren, oder aber auch, weil heutzutage „Alt“ mit „Jung“ sehr gern kombiniert wird. Alte, geliebte Stücke mit kleinen Reparaturen oder neuen Bezügen und Lasuren wieder auf Vordermann zu bringen, ist die neue Leidenschaft der Konsumgesellschaft, die zunehmend genug hat vom makellosen Glanz zugunsten eines Stils mit Ecken und Kanten. Ein wenig Freude am Used-Look blitzt da wohl auch durch. Doch es ist in erster Linie die Handwerkskunst auf höchstem Niveau, die endlich wieder hoch im Kurs steht – innovative Steckverbindungen und aufwändige Ziernähte und Steppungen zeugen davon.

Wiedersehen mit Freude

Nicht zu übersehen ist 2017 die neu entfachte Liebe zum so genannten Midcentury-Style, der sich als liebevolle Erinnerung an Zeiten voller Aufbruchstimmung und Ideen für das außergewöhnliche Produkt entfaltet. Farben wie Puderrosa und Formen wie Nierentische dürfen hier keinesfalls fehlen. Die aufstrebenden 50er Jahre mit ihrer unbändigen Lebensfreude, Petticoat und Lollipop finden sich in pastelligen Farbkombinationen wieder, die Wohnwand erlebt ein Revival und dunkles Holz wie Teak, Nussbaum und geräucherte Eiche haben ihre erklärten Fans. Das Besondere aber ist die Kleinteiligkeit, mit der man die ganze Möbelszenerie auf einen menschlichen Maßstab einreduziert. Feingliedrigkeit und Zartheit ist das große Thema – ein bisschen Audrey Hepburn und Frühstück bei Tiffany schwingt hier mit. Die neuen Re-Editionen und diejenigen, die in deren zweifellos großen Fußstapfen treten, vereinen all das in sich. Chic und Charme kombiniert mit filigraner Eleganz verbinden sich mit Anekdoten und Kurzgeschichten über Aussehen und Entwurfsidee. Heimkommen wird demnach immer mehr zu einer Anreise an den Ort der persönlichen Sehnsüchte und zum wohltuenden Abenteuer im Kopf.

INFO

www.carlhansen.de
www.cassina.com
www.fritzhansen.com
www.gervasoni1882.it
www.livingdivani.it
www.mdfitalia.com
www.minotti.com
www.poliform.it
www.riva1920.it
www.wittmann.at