Seeleben 2.0

Momente um zur Ruhe zu kommen

  • Seeleben
    Quelle: Thomas Linkel

Projektbeschreibung

Best of Lakes | 2017

„Die Abendsonne ließ sich Zeit. Sie war golden und zaghaft, und als ein Fisch durch sie hindurchsprang, zuckte sie zusammen. Dann beruhigte sie sich und tanzte rot aufglühend weiter bis sie hinter dem Horizont versank. … Der Fischer, dem das Boot gehörte, warf die Angel aus, stopfte sich die Pfeife, zündete sie etwas umständlich an und fragte mich, ob alles noch beim alten sei. Dann saßen wir da und ließen uns treiben.“ Adaptiert von: Werner Koch, Seeleben I

Als Werner Koch in den 1970er Jahren seine wunderbar entspannte, leicht melancholische und auch von Heinrich Böll gelobte „Seeleben“-Trilogie* veröffentlichte, erzählte der Autor in drei schmalen Bänden von einer aus heutiger Sicht vorweggenommenen, damals aber „utopischen“ Realität. Leben und Arbeiten in einer vom Bauern gemieteten Hütte an einem kleinen Allgäuer See – für ein Planungsbüro in Köln! Ohne Internet! Damals schwer nachvollziehbar. Genießen auch noch? Damals kaum „akzeptabel“ …

Wie sich im letzten Band der Trilogie schon abzeichnete, hat sich seit damals einiges geändert. Die „vom Bauern Greiff“ gemietete Hütte gibt es längst nicht mehr. Nach einem Intermezzo als Freizeit-Wohnsitz für einen Architekten ist jetzt dort ein Strandbad, der alte Greiff-Bauernhof wurde zur Touristen-Pension. Der Tourismus-, Sport- und Freizeit-Boom begann schon in Kochs Roman – wie realiter längst im gesamten Alpenraum – auch kleine und ursprünglich weniger bekannte Seen zuerfassen.

Privat-Grundstücke sind inzwischen nicht nur an den prominenten Alpenseen heiß begehrt. An den zugänglichen Seeufern versüßen Restaurants bis hin zur Gourmet-Klasse romantische Abende bei Kerzenlicht im Freien; auf zum Teil schwimmenden Seebühnen verzücken Top-Acts aus Oper, Operette, Musical bis hin zu Pop, Rock und Techno ein nicht selten internationales Publikum – zaubern spannende, oft surreale Akzente in die alpine Seenlandschaft. Tagsüber bieten Sportevents Herausforderungen für Profis und Hobby-Aktive an, auf und unter Wasser.

Das Seeleben ist dichter geworden, bunter, zuweilen lauter, lebendiger in jedem Fall und internationaler … Und doch gibt es auch heutzutage Plätze und Momente um zur Ruhe zu kommen, Muße und Beschaulichkeit zu genießen, zu „entschleunigen“. Vielleicht sogar mit einem guten Buch wie „Seeleben“ beim Relaxen in der Sonne am Strand eines kristallklaren Alpensees.

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