Projektbeschreibung

Kitzbühel & Alpenraum | Ausgabe 07 | Frühling 2018 Text & Interview: Klaus Dörre

Was da so rasant über die Wellen zu schweben scheint, ist keine Fata Morgana. Auch keine Realität gewordene Vision aus einem Science-Fiction-Film. Es ist eine „Motte“. Streifzug sprach mit dem mehrfachen Staatsmeister, OÖ-Landsmeister, WM- und EM-Teilnehmer in der „Tornado“-Segelklasse, Michael Schönleitner, über seine Leidenschaft für die „International Moth-Class“.

Streifzug: Herr Schönleitner, als Sie sich in der „Tornado“-Klasse auf eine Olympiakampagne vorbereiten wollten, wurde diese aus dem Programm gestrichen. Was war Ihre Konsequenz?

Michael Schönleitner: Statt einen Wechsel in eine andere olympische Klasse zu tätigen, wollte ich meine Leidenschaft weiterhin als Hobby ausführen. Die neue Herausforderung war schnell gefunden. Zu der Zeit war die „Motte“ auch endlich in Europa bekannt und boomte – als schnellste Bootsklasse, die man alleine segelt, und die am schwersten zu segelnde Klasse … so was musste ich einfach haben.

Streifzug: Wie schwer war der Umstieg?

Michael Schönleitner: Die Lernkurve am Anfang war steil. Bei den ersten Regatten musste ich allerdings feststellen, dass es noch sehr viel zu lernen gab. Die Klasse hat nach wie vor eine rasche Entwicklung. Jährlich gibt es neue Foils (die Tragflächen unter Wasser. Anm. d. Red.), neue Segel usw. … was dafür sorgt, dass die letzten Jahre jährlich ein Knoten Geschwindigkeit dazukam. 2014 war ich noch Achtzehnter im Moth Euro Cup und 2015 bereits Vierter und 2016 sogar Zweiter. 2017 hatte ich die WM am Gardasee im Fokus, bei der knapp 240 Teilnehmer waren. Leider hatte ich wegen Materialbruchs drei Wettfahrten nicht beenden können. Trotzdem war ich mit dem 55. Platz von insgesamt knapp 240 Teilnehmern sehr zufrieden.

Streifzug: Was reizt Sie so an dieser Bootsklasse?

Michael Schönleitner: Für mich ist der größte Reiz, dass man gegen Segel-Superstars wie z.B. Peter Burling (zwei Olympiamedaillen, Sieger des Americas Cup und derzeit unterwegs um die Welt im Volvo Ocean Race) segelt und die gemeinsame Leidenschaft des Segelsports im Vordergrund steht. Da keiner unmittelbar vom „Motte“-Segeln lebt, gibt es nicht diese Verbissenheit und Geheimnistuerei wie in olympischen Bootsklassen. Daher ist es – trotz harten Zweikämpfen am Wasser – eine der freundschaftlichsten, fairsten und hilfsbereitesten Bootsklassen, die man derzeit segeln kann. Und: Um ein solches Hightech-Boot segeln zu können, muss man ein gutes Gespür entwickeln, um den Wind zu lesen und sein Körpergewicht richtig einsetzen. Selbst die Besten unter uns arbeiten daran ein Leben lang. Das ist die Herausforderung!

Streifzug: Herzlichen Dank Herr Schönleitner, für das Gespräch!

Michael Schönleitner …

… Jahrgang 1988, ist Präsident der Austrian Moth Class Association (AMC) sowie Sekretär der International Moth Class Association (IMCA). Mit seinem Vorschoter, Philipp Rakuschan, war er mehrfacher österreichischer Staatsmeister in der Tornadoklasse (2007, 2009, 2010, 2012, 2013) und OÖ Landesmeister (2006, 2009, 2010, 2012). Bei der EM 2012 am Comer See belegte er Platz sechs und bei der WM 2013 in Ibiza Platz acht. Er war Sieger der österreichischen Rangliste der „Motten“ 2014 und 2015, Vierter im Gesamtklassment des Moth Euro Cup 2015 und Zweiter im Jahr 2016. Im „Brotberuf“ ist er Bautechniker in leitender Funktion bei der Schönleitner Bau GmbH in Thern/St. Georgen und Projektentwickler der Attergauer Wohnbau GmbH.

Die „Motte“ …

… besteht seit 1928 und zählt zu den innovativsten Segelklassen. Das Motto der eingefleischten Fangemeinde: „Halte Dich an die Regeln, aber unternimm alles, was Dich schnell macht!“ wird nur von den normierten Grenzmaßen beschränkt: 3,35 m maximale Bootslänge, 2,25 m maximale Breite und 8 m² Segelfläche. Material-Innovationen wie Karbonfasern, Sandwichbauweise etc. machten die „Motte“ zum innovativsten Leichtgewicht unter den Segelklassen, z.T. mit nur 30 kg in voller Takelage! Die Erkenntnis, dass der Widerstand deutlich sinkt, wenn man den Rumpf so weit wie möglich aus dem Wasser hebt, führte zur Einführung von Tragflügeln an Schwert und Ruder („Hydrofolis“). Selbst bei leichtem bis mäßigem Wind erreicht die „Motte“ so heutzutage ca. 20 Knoten/ca. 37 km/h, bei starkem Wind über 30 Knoten/ca. 56 km/h.