Projektbeschreibung

Hamburg | Ausgabe 19 | Frühling 2017

Ulrike Krages ist Inhaberin der Unternehmensgruppe Urban Comfort, die aus verschiedenen Gesellschaften der Bereiche Architektur, Interior, Küchen, Möbeln und Lifestyle-Produkten besteht. Sie berät darüber hinaus Projektentwickler wenn es darum geht, Wohnen zu einer Marke werden zu lassen. Gleichzeitig kämpft sie für die Demokratisierung dieses Luxussegments, weil sie die Auffassung vertritt, dass guter Geschmack nicht teuer sein muss.

STREIFZUG: Macht Luxus glücklich, Frau Krages?

Ulrike Krages: Ein ganz klares NEIN. Luxus macht unabhängig, aber mit dem persönlichen Glück hat dies nur wenig zu tun.

STREIFZUG: Können Sie uns das kurz erläutern?

UK: Unsere Muttergesellschaft UK2 Urban Architecture befasst sich nun seit über 16 Jahren mit dem Segment Wohnungsbau und der Planung von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Wir haben im absoluten Top-Segment begonnen und die Luxusklientel sozusagen inhaliert. Mit der Beauftragung einer Planung gehen wir mit dem Bauherrn über eine begrenzte Zeit eine Art Gemeinschaft ein und lernen ihn in allen Eigenschaften, guten wie schlechten, kennen. Im Laufe meiner Erfahrungen habe ich festgestellt, dass es auch unglücklich machen kann, die Qual der Wahl zu haben. Und mehr noch: Bei Ehepaaren hat man manchmal das Gefühl im Boxring zu stehen. Anstatt sich über das Glück zu freuen, sich eine großartige, teure Immobilie leisten zu können, wird wie auf dem Markt gehandelt. Sie: „Du möchtest ein Kino? Dann bekomme ich aber dafür eine eigene Ankleide mit Schuhraum und dazu noch ein neues Auto. Ansonsten zieh ich da nicht ein.“

STREIFZUG: Sie sind dafür bekannt, viele Prominente als Kunden zu haben, darunter Boxweltmeister, berühmte Schauspielerinnen, Schlagerstars, Fußballer und Unternehmerfamilien. Wie ist Ihre Erfahrung mit den sogenannten „Promis“?

UK: Ich persönlich mag dieses Wort nicht. Die Erfahrung ist unterschiedlich, je nach Herkunft. Prominenz verleiht einer Person allein noch lange keine Klasse. Ich liebe aber die Arbeit mit Menschen, die einfach den Luxus der Privatsphäre schätzen und denen wir dabei helfen, diese auch zu gewährleisten. Das bedeutet oberste Diskretion, keine Presse und schon gar keine Adressen. Wir führen diese Kunden im Büro unter einem Pseudonym, damit auch wirklich niemand herausfindet, um wen es sich handelt.

STREIFZUG: Sie selbst haben ein Luxusleben geführt, bevor Sie sich entschlossen Unternehmerin zu werden. Waren Sie glücklicher, als Sie in großen Häusern wohnten?

UK: Ich war damals glücklich, weil meine Familie komplett war. Und ja, es ist einfach wunderbar, wenn man sich ein großes Haus mit genügend Personal und Garten leisten kann. Damals hatte ich das Privileg, selbst Bauherrin zu sein, und habe mir Architekten leisten können. Heute stehe ich auf der anderen Seite und habe es mit großartigen Bauherren zu tun. Das Glück heute ist, Wohnen und Behaglichkeit für andere zu planen. Wenn mir dies gelingt, gibt es mir enorme Erfüllung.

STREIFZUG: Sie haben den Luxus zu Ihrer beruflichen Erfahrung gemacht. Wie definieren Sie Ihr eigenes Glück in Bezug auf Wohnen?

UK: Je mehr ich in diesem Bereich zu tun habe, umso einfacher wünsche ich mir meine Umgebung. Ich träume vom Leben im Einklang mit der Natur. Moderne Haustechnik treibt mich persönlich zur Verzweiflung. Ich möchte nichts programmieren müssen, um meinen Backofen benutzen zu können. Ich träume wieder vom offenen Feuer in der Küche.

STREIFZUG: Das ist aber nicht sehr zeitgemäß?

UK: Sie haben vollkommen Recht. Glücklicherweise haben Sie nach meinem persönlichen Geschmack gefragt. Wenn in unserem Büro die endlosen TGA-Termine stattfinden, steige ich jedenfalls aus. Das überlasse ich unseren gut geschulten, vorausschauenden Fachplanern.
Ich schaue gern auf die jungen Werkstudenten in unserem Haus oder auch auf meine eigenen Kinder in ihrem Konsumverhalten. Selbstverständlich bedienen sie moderne Haustechnik-Apps mit leichter Hand, aber ein echtes Feuer zu entfachen, macht selbst junge Menschen glücklicher als ein Kaminfeuer vom Bildschirm.

STREIFZUG: Frau Krages, Sie haben mit UK4 Urban Kitchen eine Manufaktur für individuelle Küchen. Macht eine Küche glücklich?

UK: Wenn sie gut geplant ist, ja, und wenn man auch noch in ihr kocht umso mehr. Das Glück liegt aus meiner Sicht darin, sich selbst oder dem Gast etwas Gutes zu tun. Der Anblick einer schönen Küche allein reicht da nicht. Das Kochen ist heute so einfach geworden und Frauen wie Männer sollten sich meiner Auffassung nach wieder mehr in die Küche stellen. Aktiv den Luxus einer Küche zu leben und andere zu bekochen, hat etwas Sinngebendes, wie ich finde.

STREIFZUG: Wie wünschen Sie sich den Wohnungsbau von morgen?

UK: In Bezug auf den Wohnungsbau ist die Lage derzeit verzwickt. Die Grundstücks- und Baupreise sind derart in die Höhe gegangen, dass dies zu Lasten der Fassadensprache und des Innenausbaus geht. Wir Planer unterliegen mit unseren Entwürfen den Budgetvorgaben der Projektentwickler. In Zeiten dieser Kostenzwänge ist Kreativität gefordert. Ich persönlich wünsche mir weitaus stärkere Vorgaben der Stadtplaner für Grünflächen – sowohl auf den Balkonen als auch auf den Dächern unserer Städte. Aber auch die Raumplanung und Grundrisse müssen neu erdacht werden und sich auf die zunehmende Veränderung der Gesellschaft und die Generation von morgen einstellen.

STREIFZUG: Und was raten Sie dem, der sich ein neues Zuhause schafft?

UK: Ich rate dazu, dass sich jeder, der sich ein neues Zuhause schafft, an Schöngeist orientiert, nicht nur daran, was gerade en vogue ist. Ein Nest kann sich der kleinste Vogel bauen, warum nicht auch der Mensch?

STREIFZUG: Frau Krages, vielen Dank für das Interview.

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