Projekt Beschreibung

Wien | Ausgabe 23 | Frühling 2019 Text: Klaus Dörre

Die Leichtigkeit des Steins: Der aus Japan stammende Bildhauer Makoto Fujiwara hat sie zur Perfektion entwickelt. Vor allem mit dem schwersten und schönsten Granit, den es gibt, dem Labradorit oder Larvikit. Obwohl sein Weg mit dem Stein meist in monumentale Ausmaße mündet – bis zu 30 Tonnen schwer sind seine Skulpturen – kommen seine Werke doch oft so leicht und schwebend daher wie Wasserwellen.

Oder so nüchtern und meditativ, wie die schnurgerade „Japanische Linie“, die er 1970 mit japanischen Kollegen im Rahmen der vom österreichischen Staatspreisträger Karl Prantl (1923 – 2010) initiierten Internationalen Bildhauersymposien schuf. Eine „Rinne”, die in einer Länge von 300 Metern vom Grund des – heute als Opernarena berühmten – Marmor-Steinbruchs über eine Wand und weiter über den Hügel von St. Margarethen im Burgenland führt. Diese „Land Art“ war damals auch als politisches Statement zu verstehen, als Gegenpol zur „Konsumierbarkeit” oder Käuflichkeit von Kunst. Den Künstlern in Karl Prantls Bildhauerhaus auf dem Gelände in St. Margarethen ging es allerdings vor allem darum, den Symposiumsgedanken zu leben: gemeinsam in und mit der Natur zu leben und am Stein zu arbeiten.

„Guten-Tag!“-Brunnen, Westpark München. Schwarzer Labrador, teilweise poliert, 210 x 400 x 1200 cm. Ein Ort zum Innehalten, sich zu begegnen und sich „Guten Tag!“ zu sagen. Standort: Westpark München. Foto: Gras-Ober, Wikimedia Commons

Innovator und Impulsgeber

Ein Gedanke, den Makoto Fujiwara verinnerlicht hat, den er im Laufe seines arbeitsreichen Lebens weiterentwickelte und dem er in zahlreichen internationalen Symposien neue Impulse und Ausprägungen gab. Unter anderem initiierte er das Bildhauersymposion am Salzburger Untersberg – heute fixer Bestandteil der internationalen Salzburger Sommerakademie. Oder das Symposium im Steinbruch von Stålaker nahe der südnorwegischen Hafenstadt Larvik. Hier wird der härteste, schwerste und schönste Granit überhaupt abgebaut: der „Labrador“ oder Larvikit. Ein dunkler Stein, der hier in mehreren Schattierungen vorkommt. Faszinierend und begehrt wegen seiner blau funkelnden Kristall-Einschlüsse und meist für sehr exklusive industrielle und kommerzielle Zwecke genutzt.

Skulpturen mehrerer Symposiums-Teilnehmer im NaThor-Park, Larvik, den Makoto Fujiwara als Hommage an den langjährigen Förderer Thor Lundh (Lundhs LabradorEksport) angelegt hat.

Auf dem Stein-Weg

Makoto Fujiwara fand in ihm die Impulse für vollkommen neue und spektakuläre Skulpturen – und auch deshalb in Stålaker die bildhauerische Heimat für seinen Steinweg. Die enge Beziehung zum Besitzer des dortigen Steinbruchs, Thor Lundh, und dessen Faszination für Makotos Skulpturen resultierte darin, dass dieser dem japanischen Meister, seinen Schülern und Bildhauerkollegen großzügig ein Areal und später das „Bildhauerhaus“ auf dem Gelände für die alle zwei Jahre stattfindenden Symposien zur Verfügung stellte – inklusive dem benötigten Material. Lundhs (Labrador Eksport) ist einer der weltweit bedeutendsten Produzenten und Exporteure des Larvikit. Und der Steinbruch in Stålaker einer der bekanntesten und begehrtesten Symposiums-Plätze in der internationalen Bildhauerszene. Besonders bemerkenswert ist auch, dass dank Makoto Fujiwaras Initiative viele Frauen die Chance nutzen konnten, sich dort in der „Männerdomäne“ Steinbildhauerei zu etablieren und durchzusetzen. Ein Weg, hart wie Larvikit …