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Yachting | 2020 | Text: Marcus Krall

Dem Schweizer Verleger Jürg Marquard gehört seit fast zehn Jahren die knapp 50 Meter lange Azzurra II. Wie er sie nutzt, warum er sie kaufte, verrät er im Interview mit STREIFZUG Yachting.

Streifzug: Sie sind ein erfolgreicher Geschäftsmann. Ist eine Yacht ein gutes Investment?
Jürg Marquard: Absolut. Die „Azzurra II“ war eines meiner besten Investments, und zwar in meine Lebensqualität. Ich genieße jeden Tag an Bord, reise mit meiner Familie, empfange Freunde, Geschäftspartner und meine Manager auf der Yacht und dies in wunderschöner Umgebung.

Streifzug: Und finanziell gesehen?
Jürg Marquard: Sicher ist der Kauf einer Yacht ein Kostenfaktor und kein Investment, das sich rechnet. Es ist, wie gesagt, ein Investment in eine bessere Lebensqualität.

Streifzug: Warum haben Sie genau diese Yacht gekauft?
Jürg Marquard: Die „Azzurra II“ ist eine Ikone, die Yacht-Geschichte geschrieben hat. Als sie 1988 ausgeliefert wurde, gehörte sie zu den 50 größten Yachten der Welt. Die Eignerkabine verfügt über 24 riesige Fenster und über das großzügigste Badezimmer, das bis zu diesem Zeitpunkt je in eine Yacht eingebaut wurde. Die Fenster in der Skylounge, die vom Boden bis zur Decke reichen, waren damals und sind heute noch eine Sensation. Ich kam 2009, als die Yachtpreise durch die Finanzkrise unter Druck kamen, an diese Yacht und habe mich innerhalb einer halben Stunde für den Kauf entschieden.

Skylounge I: Helle Möbel und große Fenster schaffen eine lichte Atmosphäre.

Streifzug: Sie halten sich mehrere Wochen pro Jahr auf der Yacht auf. Wie betreiben Sie Ihr Business an Bord?
Jürg Marquard: Ich benötige primär eine gute Internet-Verbindung. In meiner Kabine steht zwar ein großer Schreibtisch, ich arbeite aber meistens in der Skylounge oder an der frischen Luft. Ich persönlich nutze ein iPad, aber die Yacht ist selbstverständlich mit allen anderen Kommunikationsmitteln ausgestattet.

Skylounge II: Hier oben sitzt Eigner Jürg Marquard auch gern zum Arbeiten.

Streifzug: Bekommen Ihre Chartergäste den gleichen Service wie Sie als Eigner?
Jürg Marquard: Wahrscheinlich sogar einen besseren, sie geben ja ein Trinkgeld! (lacht) Aber ernsthaft: Ich beschäftige mehr Crewmitglieder als die meisten Yachten dieser Größenordnung. Ich habe 14 Crewmitglieder auf der Payroll, davon sind 12 ständig an Bord. Deshalb bekommen die Chartergäste einen super Service, gehen immer hochzufrieden von Bord und kommen auch im darauffolgenden Jahr gerne zurück.

Gigantisch: Die Fensterwand in der Eignersuite ist im Yachting einzigartig. Voraus nutzen Jürg Marquard oder Chartergäste noch eine private Terrasse.

Streifzug: Es gibt diesen typischen Neid-Komplex und wir sprechen hier recht offen über Ihr Yacht-Eigentum. Sie scheinen damit kein Problem zu haben.
Jürg Marquard: Da ich in meinem Land eine relativ bekannte Person bin, könnte ich es auch gar nicht geheim halten, eine Yacht zu besitzen. Zudem denke ich, wer sein Geld selbst hart erarbeitet hat, muss sich dafür sicher nicht schämen. Neid ist einfach nicht mein Thema.

Steuerstand: Die Brücke ist geräumig, Gäste dürfen dem Kapitän über die Schulter schauen.

Azzurra II

  • Länge: 48 Meter
  • Werft: CRN, 1988
  • Revier: östliches und westliches Mittelmeer
  • Kapazität: 12 Gäste in 5 Kabinen
  • Charter-Rate: ab 160.000 Euro/Woche

Salon: Auf dem Hauptdeck besteht die Möglichkeit, sehr formell zu speisen.