Zurück zur Ursprünglichkeit

Spannende Späne, flotte Fasern

  • Voller Gefühl. Die Touch Collection von Zanat lädt zum Berühren ein: Die dreidimensionalen Oberflächen entstehen durch eine von der UNESCO geschützte Handwerkstechnik. Design: Studioilse. www.zanat.org Foto: Zanat
Zurück zur Ursprünglichkeit2018-06-28T14:42:49+00:00

Projektbeschreibung

Kitzbühel | Ausgabe 43 | Sommer 2018 Text: Barbara Jahn

Naturmaterialien liegen stark im Trend. Der gesamte gesunde Lebensstil, der bisher von der Nahrung bis zur Bio-Kleidung reichte, ist nun auch auf die Einrichtung voll übergeschwappt. Stein, Leder, Holz und Wolle machen, was Möbel angeht, eindeutig das Rennen, wie man auf dem Salone del Mobile 2018 eindeutig feststellen konnte.

Sie dürfen ganz ohne Zweifel als „Kraftstoffe“ bezeichnet werden: natürliche Materialien, die immer mehr die Wohnlandschaften für sich erobern. Das war nicht immer so. Lange mussten die Möbelproduzenten ihre 100 Prozent Sustainability-Botschaften an ihre Messestände tackern. 2018 ist das schon längst nicht mehr notwendig, denn die Menschen denken um, und das von ganz alleine. Denn: Warum eigentlich nur gesund essen, wenn man auch gesund und im Einklang mit der Natur wohnen kann? Die Botschaft ist angekommen. Und das hat viele positive Effekte.

Spannende Späne, flotte Fasern

Ein Möbelstück, einen Fußboden oder vielleicht sogar ein ganzes Haus aus Holz zu haben, gleicht einem ewigen Abenteuer: Quellen und Schwinden, mal größer und länger, dann kleiner und kürzer, ein immerwährender Prozess. Holz ist eben lebendig und bleibt es auch. Der Trend, sich mit nachhaltigen Materialien zu umgeben, wird begleitet vom Wunsch, zuhause Geborgenheit zu finden. Auch das schaffen die glatt gehobelten und geölten Stämme, die nicht nur optisch, sondern auch olfaktorisch den reinen Genuss repräsentieren. Gleich einem qualitativ hochwertigen Leder reift Holz wie guter Käse vor sich hin, verändert Form und Farbe, ohne dabei jedoch eine gewisse Grenze zu überschreiten. So wie man die Herkunft von Natursteinen oder Rinderhäuten verstärkt und kritisch unter die Lupe nimmt, geht es bei Holz auch um den ökologischen Fußabdruck. Ist es nicht aus Europa, wird es für umweltbewusste Konsumenten nahezu uninteressant. Buche, Esche, Nuss oder aber Zwetschke – Exoten wachsen auch hier, die mindestens so attraktiv sind wie die Kollegen aus Übersee. Und die vitalisierende Kraft bleibt auch die gleiche.

Zuhause mit Fred und Barney

Sich mit Naturstein zu umgeben, ist wohl eine der ältesten Wohngeschichten. Höhle und Co. waren der erste Zufluchtsort der Menschheit, und die wahrgenommene Unerschütterlichkeit dieser Behausung ist bis heute in den Köpfen fest verankert. Selbst wenn man sich heute oft – architektonisch betrachtet – mit Glas statt mit aus Felsen Gehauenem umgibt, so spielt Stein in der Gestaltung eine gewichtige Rolle. Und zwar mit Aufwärtstrend. So viel Marmor, Schiefer und Gneis wie derzeit sah man das letzte Mal in den Fünfziger Jahren auf der Menükarte der Produzenten, dazu erlebt die Nierenform ein Revival, und der Couchtisch ist ohne Steinplatte kaum noch vorstellbar. Das hat einen Grund: Stein symbolisiert das Ewige, Dauerhafte, Endgültige und stellt einen besonderen Wert dar. Beides sind schlagende Argumente, warum nachhaltigkeitsbewusste Konsumenten vermehrt zum fein Geäderten greifen. Nicht zuletzt gilt Stein als extrem pflegeleicht, vielseitig einsetzbar und weist zudem auch eine positive Öko-Bilanz auf.

Das geht unter die Haut

Augen schließen und losfühlen – nichts kommt an die außergewöhnliche Haptik von Leder heran. So sind es in erster Linie alle Arten von Sitzmöbeln, die sich gerne ein exklusives Stück Haut drüber ziehen und das Warme, Weiche, Geschmeidige an den Sitzenden weitergeben. Als Möbelbezug erster Wahl kann man sich dabei wie bei einem guten Cognac darauf verlassen, dass die Oberfläche mit den Jahren immer schöner wird. Die Patina, die ein Möbelstück bekommt, zählt wieder zu den wichtigsten Auswahlkriterien bei den Konsumenten. Erst wenn es mit jeder Falte und noch so kleinen Mutation, die vom Urzustand abweicht, eine Geschichte erzählen kann, dann gehört es erst so richtig zur Familie. Es ist wohl der Weg dorthin, der fasziniert, und ein besonderes Material, mit dem man gemeinsam alt werden kann. Für Individualisten, die Wert darauf legen, dass nicht alles wie aus der Retorte wirkt, schreiben Mückenstiche, Kämpfe oder Sonnenbrände auf der Haut zusätzlich eine Geschichte. Davon gibt es zum Glück immer mehr, denn dieses Kaufverhalten reduziert den Verschleiß um ein großes Stück und trägt so zur besseren Verwertung der Ressourcen bei.

Oft treten die „Kraftstoffe“ in Kombination auf und zeigen damit gleich doppelte Wirkung. Und auch der optische Genuss profitiert. Denn hier wird einmal mehr gezeigt, wie sehr natürliche Materialien auch im verarbeiteten Zustand miteinander im Einklang stehen. Schön, wenn sie zuhause schließlich Wurzeln schlagen.

Info
www.salonemilano.it