Projekt Beschreibung

In Zeiten der Coronakrise ist man zum Cocooning buchstäblich gezwungen. Wie gut, wenn man sich da in einem schönen Zuhause sicher und geborgen fühlen kann. Foto: Toa Heftiba auf Unsplash

Es ist eine Ironie des Schicksals. Aber während der Corona-Krise scheint ein Trend, der angesichts kommunikationsfreudiger Offenheit gerade in Wohnräumen längst „out“ war, wieder vollkommen neue Bedeutung zu gewinnen. Cocooning wird, wie der Publizist Matthias Strolz es neu definierte, zu Corcooning. Aber was anfangs vielleicht befremdlich oder gar zynisch klingen mag, hat durchaus positiven Hintergrund – und laut Matthias Horx vom Zukunftsinstitut voraussichtlich nachhaltige Wirkung.

Was bedeutet eigentlich Cocooning?

Cocooning (vom Englischen „cocoon“: verpuppen, sich einspinnen) wird von Trendforschern als Tendenz bezeichnet, sich vermehrt in das häusliche Privatleben zurückzuziehen. Er wurde in den späten 1980er Jahren zuerst von der US-Trendforscherin Faith Popcorn verwendet. Der Bayerische Rundfunk definierte den Begriff Cocooning als „Zurückziehen in die eigenen vier Wände, den Trend hin zum Einigeln samt Home-Service“. Wem die Welt draußen zu kompliziert, stressig und uninteressant wurde, zog sich in seinen eigenen Lebensraum zurück wie in einen Kokon. My Home is My Castle in Extremform, mit einem durchaus spießigen Beigeschmack.

Cocooning hatte in den 1990er-Jahren durchaus einen spießigen Beigeschmack.

Cocooning hatte in den 1990er-Jahren durchaus einen spießigen Beigeschmack. Foto: Filios Sazeides auf unsplash.com

Cocooning und die neue Gemütlichkeit

Später allerdings verlor der Begriff Cocooning schnell den Touch des „von der schnöden Welt nichts wissen Wollens“. Als Welt und Menschen zugewandter Oberbegriff stand er dafür, es sich und anderen in seinem Zuhause einfach schön und gemütlich zu machen. Aufgrund der zunehmend virtuellen, schnellen Welt stieg auch die Sehnsucht nach ehrlicher Kommunikation und authentischem Kontakt in ungezwungener Atmosphäre. Dementsprechend bekamen Cocooning und der Rückzug in die eigenen vier Wände eine neue, wesentlich offenere und flexiblere Qualität.

Dem Solotrip Cocooning folgte im 21. Jahrhundert in Form des Social Cocooning eine neue Offenheit.