Projekt Beschreibung

STREIFZUG Kitzbühel & Alpenraum | Ausgabe 24 | Herbst 2026 | Text: Barbara Schneeberger

Es gibt Landschaften, die beeindrucken. Und es gibt Landschaften, die prägen. Das Engadin gehört zu Letzteren. Das klare Licht, die Weite der Seen und die schroffen Berge haben den jahrhundertealten Dörfern des Schweizer Hochtals eine besondere Kraft verliehen. Eine Energie, die sich aus der Natur ableitet und sich im Lebensraum wiederfindet. Hier treffen authentische Rückzugsorte und kreatives Terrain aufeinander

Eine Kultur für die Ewigkeit: Das Engadinerhaus zeichnet sich durch massive, oft mit Sgraffiti versehene Steinwände, tiefe Fensterfluchten, Erker und große, runde Eingangstore aus.

Das Engadinerhaus

Nirgends deutlicher zeigt sich dies als in der Architektur. Massive Mauern, tief gesetzte Fenster, Rundbogentore und kunstvoll eingekratzte Sgraffiti erzählen von einer Baukultur, die vom Klima, von regionalen Materialien und von feinstem Handwerk geprägt wurde. Heute wird sie nicht kopiert, sondern weitergedacht. Zeitgenössische Häuser und behutsam erneuerte historische Bauten werden aus Naturstein, mit Lärchen- und Arvenholz (Zirbe), Sichtbeton, Glas und reduzierten Formen errichtet. Tradition wird zum Ausgangspunkt für Neues. Sgraffito, Holzkunst und Steinbearbeitung sind dabei keine folkloristischen Zitate vergangener Jahre, sie stehen viel mehr für lebendiges Können.

Auch im Interior setzt sich dieser Dialog fort: historische Decken und geschnitzte Türen werden durch Designermöbel, natürliche Texturen und präzise Lichtkonzepte komplettiert. Luxus zeigt sich weniger im demonstrativen Überfluss als in beständiger Ruhe.

Erst vor wenigen Monaten hat das geschichtsträchtige Badrutt’s Palace den neuen Serlas Flügel – ein moderner Annex mit 25 Suiten und Zimmern, ausgestattet mit Loro-Piana-Möbeln – eröffnet. Die größte Erweiterung in der 130-jährigen Hotelgeschichte.

Aufbruch mit Geschichte

Dass dieses Verständnis über den privaten Wohnbereich hinausreicht, zeigt die Hotellerie. St. Moritz und das Oberengadin befinden sich in einer Phase intensiver Erneuerung. Traditionshäuser investieren in ihre Zukunft. Sie haben verstanden, dass sie nicht vom Glanz der Vergangenheit leben, sondern von der langfristigen Performance, Professionalität und Skalierbarkeit. In diesem Sinne entwickelt sich gerade die hiesige Hotellerie mit über 600 Millionen CHF Gesamtinvestitionen zum internationalen Best-Practice Modell:

Auch das historische Kulm Hotel erweitert und erneuert sich ständig, seit 2025 in einer mehrjährigen Phase sogar in größerem Umfang. Als erster Teil davon bereits neu eröffnet: die Kulm Boutique.

Das Badrutt’s Palace Hotel hat mit dem neuen Serlas-Flügel einen zeitgenössischen Gegenpart zum historischen Stammhaus geschaffen. Umfassend neu hat das Suvretta House einen neuen 4670 m² großen Wellnessbereich errichtet. Auch St. Moritz allererstes Hotel, das Kulm, befindet sich seit 2025 unter der architektonischen Leitung von Lord Norman Foster in einer mehrjährigen Transformation. Der neue alpine Luxus bewahrt Herkunft und erfüllt die heutigen Erwartungen an Design und Wohlbefinden.

Ein wahres Juwel im kunstvollen Dörfchen Sils Maria ist die im Dezember 2025 neu eröffnete Chesa Marchetta, ein Boutiquehotel mit nur 13 Zimmern und viel Liebe zum Detail (Architektur: Luis Laplace).

Besonders schön gelingt dieser Wandel dort, wo Häuser tatsächlich zurückkehren: Die geschichtsträchtige Chesa Marchetta in Sils Maria öffnete im Juni 2026 nach jahrelanger Renovierung ihre Türen wieder. Auch das Hotel Scaletta in S-chanf, seit 2013 geschlossen, soll zur Wintersaison 2026/27 nach denkmalgerechter Sanierung neu belebt werden und wird – im neuen Kleid – wieder Gäste empfangen. Ebenso dürfen wir uns schon jetzt über die Wiedereröffnung 2027/28 nach umfassendem Renovieren des Hotel Castell Zuoz freuen.

Das Restaurant Da Vittorio im Carlton Hotel St. Moritz ist mit 2 Michelin-Sternen und 4 Gault-Millau-Hauben dekoriert.

Vielseitiger und hochdekorierter Genuss

Ähnlich vielschichtig präsentiert sich die Kulinarik. Regionale Produkte, eine starke Bündner Identität sowie das internationale Publikum schaffen Raum für Konzepte, die zwischen Wirtshaus und Fine Dining, Engadiner Tradition und globalen Einflüssen spielen. Neue Adressen, wie das Ya Mama von Moses Ceylan oder das Terra Haoma, offerieren frische Ideen im schicken sowie extravaganten Ambiente. Die hohe Dichte an Spitzenrestaurants wie Ecco, Da Vittorio, Talvo, Chesa Stüva Colani oder La Chavallera in der Krone Säumerei zeigen, wie selbstverständlich Herkunft und Weltoffenheit zusammenfinden können.

Auf dem Gelände eines mittelalterlichen Klosters ist das Muzeum Susch ein Ort für künstlerische Produktion und Vermittlung.

Sinn und Raum für Kunst

Und dann ist da die Kunst. Das besondere Engadiner Licht sowie das beeindruckende Bergpanorama inspirierten schon einst Intellektuelle wie Thomas Mann oder Friedrich Nietzsche. An der Vielfalt, die die Region bietet, labten sich auch Maler wie Giovanni Segantini und die Malerfamilie Giacometti. Als der kürzlich verstorbene Schweizer Galerist Bruno Bischofberger 1963 damals die erste international ausgerichtete Galerie in St. Moritz eröffnete, brachte er Künstler wie Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat ins Engadin und machte die Region zum Treffpunkt der Kunstszene. Dieser Grundstein prägt das kulturelle Profil bis heute und so entstanden weitere internationale Galerien in St. Moritz, die Galerie Tschudi in Zuoz, das Muzeum Susch und das Ausstellungshaus mit Künstler:innen-Residenz Fundaziun Nairs. Kunst ist im Engadin kein dekorativer Zusatz, sondern Teil der Identität.

Vielleicht liegt genau darin die Qualität des Schweizer Hochtals: Es muss seine Geschichte nicht konservieren, um sie zu bewahren. Es entwickelt sie weiter – mit Verständnis für die Region, mit handwerklicher Präzision und mit einem bemerkenswert sicheren Gespür dafür, wann weniger tatsächlich mehr ist.

Im Zentrum von Zuoz präsentiert die Galerie Tschudi seit 2002 Kunst auf mehreren Etagen.

St. Moritz – Ein Ort mit bleibenden Werten

Was das Engadin, insbesondere St. Moritz, so begehrenswert macht, wie Architektur hier verstanden wird und wie wichtig Rückzugsorte sind, erzählt uns die erfolgreiche Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin (Founder & Managing Director) von UPTON, Mary-Ann Schoeller.

STREIFZUG: Wie sieht „neues alpines Design“ – vor allem im Engadin – in Ihren Augen aus? Wie verbinden Sie traditionelle Architektur mit modernem alpinen Design?
Mary-Ann Schoeller: Für mich entsteht außergewöhnliche Architektur immer zuerst aus dem Ort. Gerade im Engadin bedeutet das, die architektonische und handwerkliche Tradition zu respektieren und sie mit einer selbstverständlichen Modernität weiterzuführen. Entscheidend ist für mich das Zusammenspiel aus unvergleichlicher Lage, herausragender Architektur, kompromissloser Bauqualität und einem bis ins Detail kuratierten Interior gemeinsam mit führenden Architekten, Interior Designern, Handwerkern und Künstlern. So entstehen keine Immobilien für einen Zeitgeist, sondern Werte für Generationen.

Mary-Ann Schoeller, Founder & Managing Director von UPTON

STREIFZUG: Was macht den besonderen Reiz des Wohnens im Engadin aus? Warum kaufen und investieren Menschen hier?
Mary-Ann Schoeller: Das Engadin und insbesondere St. Moritz verbinden Qualitäten, die heute nur noch an sehr wenigen Orten der Welt zusammenkommen: eine spektakuläre Natur, internationale Lebensart, Sicherheit und die wirtschaftliche Stabilität der Schweiz. Gleichzeitig ist das Angebot an außergewöhnlichen Lagen und Immobilien von höchster Qualität naturgemäß begrenzt. Diese Orte sind nicht reproduzierbar. Genau diese Seltenheit schafft langfristige Werte. Für mich ist St. Moritz deshalb weit mehr als eine Destination: Es ist ein internationaler Lebensort mit einer außergewöhnlichen Beständigkeit.

STREIFZUG: Sind Stille und Rückzug heute der eigentliche Luxus?
Mary-Ann Schoeller: Absolut. Wahrer Luxus definiert sich nicht über Sichtbarkeit, sondern über das, was selten geworden ist: Privatsphäre, Sicherheit, Raum und die Freiheit, sich zurückziehen zu können. Das Engadin bietet dafür eine außergewöhnliche Kulisse. Weite, unberührte Natur und eine besondere Ruhe, verbunden mit der Internationalität und kulturellen Qualität von St. Moritz. Für mich ist genau diese Selbstverständlichkeit der neue Luxus: höchste Qualität, ohne sie inszenieren zu müssen.

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