Projekt Beschreibung

STREIFZUG Südtirol & Gardasee | Ausgabe 04 | Herbst 2026

Am oberen Rand des Tinnetals, geborgen in einem traditionellen Südtiroler „Pangart“ – einer abgelegenen, von alten Obstwiesen geprägten Landschaft – spürt man die Zeit auf andere Weise. Zwischen alten Obstbäumen und mit Blick auf die Sarntaler Alpen steht die „Freiform“ – ein Refugium von lediglich 65 m², entworfen von Martin Gruber.

Die „Freiform“ ist ein Hybrid aus Gästehaus und Naturwarte. Eine Chance, offline zu gehen und sich ganz auf die Natur zu fokussieren. Licht- und Wetterstimmungen der Tages- und Jahreszeiten verändern den Raum und werden zu dessen Gestalter. Bewusst ohne TV. Dafür gibt es grandiose Naturschauspiele: ein Sommergewitter, der erste Schnee, Herbstwind in buntem Laub.

Ein Infinity-Bett inmitten der Wiese, umgeben vom permanenten Schauspiel der Natur, geschützt von einer Glashülle und einer organischen Betonform. Ein anderes Zeitgefühl empfinden beim Wolken- oder Sternenhimmelbetrachten. Denn hier hebt eine 24 Meter lange Panorama-Glasfront die Grenze zwischen dem Innen und dem Außen fast mühelos auf. Hier drängt sich die Architektur nicht vor die Landschaft, sie wird zu ihrem Rahmen.

Freiform Guesthouse

Härte und Sanftheit

Als begehbarer Solitär konzipiert, schmiegt sich das Gebäude mit einer organisch geschwungenen Betonplatte an die Topografie des Ortes. Dach und Boden folgen den natürlichen Kurven der Landschaft. Es entsteht ein Dialog aus Härte und Sanftheit, der dem Baukörper eine selbstverständliche, fast archaische Präsenz verleiht. Man hat das Gefühl, das Haus sprieße organisch aus dem Boden – als wäre es schon immer Teil dieser Kulisse gewesen.

Die innere Notwendigkeit

Für Martin Gruber ist der Entwurfsprozess kein schematisches Abarbeiten, sondern eine künstlerische Spurensuche. Form, Licht, Materialität und Kontext wachsen im Modellbau und in der freien Skizze zusammen. Nichts wirkt gewollt, alles folgt einer inneren Notwendigkeit. Diese Konsequenz zieht sich bis in die unsichtbaren Details: Die Sichtbetondecke fließt durch eine thermisch entkoppelte Konstruktion nahtlos vom Wohnraum nach draußen.

Für das stimmungsvolle Lichtkonzept der Freiform zeichnet MITLICHT aus Brixen verantwortlich.

Herkunft und Charakter

Die Materialpalette ist reduziert, spürbar ehrlich und tief mit der Region verwurzelt. Roher Sichtbeton, massives Holz und Südtiroler Loden prägen die Poesie der Texturen. Die Maserung des Holzes, die Abdruckspuren der Holzschalung im Beton, das textile Handwerk des Lodens – jedes Element darf seine Herkunft zeigen und durch die Spuren der Zeit an Charakter gewinnen.

Im Rhythmus des Tages

Das Licht diktiert die Dramaturgie des Tages: Vom ersten Sonnenstrahl im Bad über das helle Mittagslicht im Wohnbereich bis hin zum Abendfeuer im Kamin, dessen Flammen sich in den dunklen Scheiben spiegeln. Integrierte Lichtquellen, textile Vorhänge und die thermische Speichermasse des Bauwerks schaffen eine behagliche, unaufgeregte Atmosphäre.

Geborgen sein im Hier und Jetzt

Am Ende bleibt ein Ort, der auf das Wesentliche fokussiert: Privatheit, Entschleunigung und die Schärfung der eigenen Wahrnehmung. Martin Grubers „Freiform“ muss nicht erklärt werden: Zeitgeist spüren und zu seinen eigenen Gedanken auf Distanz gehen. Kostbare Momente und das Gefühl des Aufgehobenseins im Hier und Jetzt. Die Reduktion auf das Wesentliche wirkt. Sie schenkt uns eine leise, tiefe Verbindung zur Natur … und das Privileg, der einzige Gast zu sein.

Kontakt

FREIFORM
Private Guesthouse
Verdings Pardell 52
I-39043 Klausen
M +39 3888 708657
T +49 (0)89 21553466
info@freiform.it
www.freiform.it

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