Projekt Beschreibung

Matteo Thun Milano, Chalet Engadina, Foto: © Laura Rizzi

Matteo Thun, der Unkonventionelle

Allen „Jungen Wilden“ gemeinsam ist das dringende Bedürfnis etwas zu bewegen, etwas Neues zu schaffen, weg von dem Gewohnten. So war es auch bei Matteo Thun. Denn sein Weg führte den gebürtigen Südtiroler letztendlich zu internationaler Berühmtheit und machte ihn zu einem der bekanntesten italienischen Architekten und Designer unserer Zeit. Weil für ihn der „Tellerrand“ – bzw. die Südtiroler Berge – nicht das Ende der „Scheibenwelt“ war, sondern vielmehr die Ausgangsbasis für vollkommen neue Wege. Von ihm erforscht und begangen mit einer selbstverständlichen Dynamik, die engstirniges Schubladendenken und eingefahrene Kategorien der zeitgenössischen Architektur- und Designszene elegant und mit viel Phantasie pulverisierte. So gilt Matteo Thun z.B. weltweit als Vorreiter nachhaltiger, am Menschen und seiner Umwelt orientierter Gestaltung und Architektur – und als Meister im Out-of-the-Box-Denken.

Matteo Thun Milano, Power Plant, Schwendi (DE), Foto: © Jens Weber

Matteo Thun Milano, Power Plant, Schwendi (DE), Foto: © Jens Weber

„Nur wer wagt, etwas Neues zu machen, wer Grenzen überschreitet, kann neues Wissen erfahren“. Matteo Thun

Studienabschluss mit „summa cum laude“

Das zeichnete sich schon beim Studium bei Oskar Kokoschka und Emilio Vedova an der Salzburger Akademie ab. Und ganz besonders bei der Abschlussarbeit für sein Architekturstudium in Florenz. Er bestand mit summa cum laude. Allerdings musste erst ein bekannter Ingenieur die entsetzte Jury davon überzeugen, dass seine Arbeit technisch sehr bedeutsam war. Warum? Weil er ein Fluggerät entworfen hatte, das er selbst gebaut, im Windkanal getestet und dann selbst geflogen hatte. Dass er die Filmpräsentation der Arbeit mit einem Soundtrack von Pink Floyd unterlegt hatte, war für manche der etablierten Jury-Professoren 1974 wohl auch nicht gerade leicht verdaulich.

Matteo Thun Milano, Villa Solitarire, Palma de Mallorca, Foto: © Pure Render

Matteo Thun Milano, Villa Solitarire, Palma de Mallorca, Foto: © Pure Render

Wesentliches, Chancen und neue Perspektiven

Für den bekannten Architekten waren Ökologie und Nachhaltigkeit fschon immer wesentlicher Bestandteil von Architektur und Gestaltung. Und er bezeichnet sich als „apolitischen, unparteiischen Architekten“. Das heißt: er sieht sich fernab von dem, was gerade auch in puncto Nachhaltigkeit politisch hochgespielt wird. Denn: Matteo Thun möchte sich nur auf die Ethik seines Berufes konzentrieren. Auf seine ganz persönliche Art von Ethik und Kreativität. Zu der gehören der Mensch als Maßstab und der Einsatz natürlicher, ressourcenschonender Materialien. Außerdem die Fähigkeit, ganzheitlich zu planen – im Kleinen wie im Großen.

Lake Resort Bad Saarow (DE 2017), © Matteo Thun Milano

Eine für ihn typisch Mailänder Eigenart, bekannt als „Mailänder Schule“. Aber auch Fähigkeiten wie wach zu sein, Chancen und neue Perspektiven vorherzusehen, bzw. schnell und aktiv zu verfolgen gehören dazu. Risiken einzugehen. Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das war bei Matteo Thun schon von Anfang an so. Echten Kreativen muss das im Blut liegen. Ob seine Leidenschaft für das Drachenfliegen diese Fähigkeit bis ins Extreme trainiert und geschärft hat?

Matteo Thun und Ettore Sottsass jr.

Die Chance, beim Superstar des Designs der 1970er-Jahre, Ettore Sottsass jr., einen Fuß in die Tür zu bekommen, nutzte er jedenfalls spontan und reaktionsschnell. So half er in Los Angeles, dem großen Meister einen Herzenswunsch zu erfüllen. Er führte ihn zum Grab vom Marylin Monroe und besorgte sogar die rote Rose für diesen Anlass. Die beiläufig-höfliche Einladung des Maestros, ihn doch zum Dank in seinem Atelier in Mailand zu besuchen, nahm Matteo Thun dann allerdings prompt wörtlich und bald in Anspruch. Maestro Sottsass‘ Begeisterung darüber, dass Matteo Thun tatsächlich bei ihm anklopfte, dürfte sich anfangs in Grenzen gehalten haben. In engen Grenzen. Denn Matteo Thun durfte zwar bei ihm arbeiten – oft nächtelang – aber vorerst nur für Ruhm und Ehre. Sein Geld verdiente er hingegen bei Werbeaktionen mit dem Drachenfliegen.

Matteo Thun Milano, Hotel & SpaIadera, Foto: © Miran Kombic

Matteo Thun Milano, Hotel & SpaIadera, Foto: © Miran Kombic

Als er schließlich und endlich Partner des Studios wurde, machte der Maestro dafür zur Bedingung, dass der aufstrebenden Architekt nicht regelmäßig sein Leben mit Flugabenteuern aufs Spiel setzte. Und: „Er war der Meinung, wenn man seinen Beruf liebt, dann muss man ihn sieben Tage in der Woche aktiv verfolgen und auch am Wochenende reflektieren, was man innerhalb der Woche macht. Wäre ich weiterhin geflogen, hätte ich diese Zeit nicht gehabt. Also habe ich beschlossen, dass Sottsass 1:0 gegen das Fliegen gewinnt“, erzählt Matteo Thun in einem Interview mit dem Dear-Magazin. Was folgte, war eine Karriere, die globale Design- und Architekturgeschichte geschrieben hat – und immer noch schreibt.

Matteo Thun, Ettore Sottsass und die Memphis-Gruppe, Foto: © Memphis

Matteo Thun, Ettore Sottsass und die Memphis-Gruppe,  Foto: © Memphis

Matteo Thun, die Memphis-Gruppe und der Mut, Regeln zu brechen

In Zusammenarbeit mit Ettore Sottsass Jr. gründete und prägte Matteo Thun 1981 die Memphis Associati. Ein internationales Designer- und Architekten-Kollektiv, zu dem u.a. auch Hans Hollein aus Österreich, Shiro Kuramata aus Japan und Michael Graves aus den USA gehörten. In der Folge wurde die „Memphis-Gruppe“ weltberühmt für ihre revolutionären, alle Konventionen sprengenden Kreationen für Möbel, Beleuchtung und Objekte.

Die Designer der Memphis-Gruppe experimentierten mit Farben und Formen unterschiedlicher Stilrichtungen, wie dem Art Deco, der Pop Art und dem Kitsch der 1950er-Jahre. Außerdem ließen sich von futuristischen Themen inspirieren. Damit entstand ein neuer Ansatz kreativen Designs – mit dem Mut, Regeln zu brechen. Neugier und die Suche nach extremer Formensprache, nach Alternativen zum einfallslosen Funktionalismus prägte die Gruppe, die sich 1988 wieder auflöste.

Matteo Thun Milano, Memphis Ceramic Objects: Rara Avis und Memphis Chad, Fotos: © Studio Azzurro & Archive M. Thun

Die Arbeiten von Thun, der aktivste Part im Bereich der Keramik, sind eng mit seiner Kindheit verbunden. Denn durch die elterliche Keramikmanufaktur spielerisch mit dem Material Ton verbunden, interpretierte er das Material komplett neu. Dadurch entstanden limitierte Editionen von Keramikgeschirr-Kollektionen, eine Serie von Marionetten-Tieren, Teekannen, Milch- und Kaffeebehälter in Vogelformen mit fröhlichen Namen wie „Rara Avis“, „Cuculus canorus“ oder „Columbine spheroidea“, die auch heute noch bei Sammlern heiß begehrt sind.

Matteo Thun & Partners

1983 bis 2000 lehrte Thun auch als Universitätsprofessor für Keramik-Design an der Wiener Akademie für Angewandte Kunst. 1984 etablierte er sein eigenes Architektur- und Designstudio in Mailand in der Via Appiani 9. 2001 folgte die Gründung von Matteo Thun & Partners. Das Unternehmen agiert auf internationaler Ebene und entwickelt Projekte in den Bereichen Hospitality und Healthcare, Residential und Office-Design, Retail und Produkt-Design.

Matteo Thun Milano: Arabian Resort, Foto: © Struttura Leggera

MatteoThun Milano: Arabian Resort, Foto: © Struttura Leggera

Die Entwürfe des Studios sind von zeitloser Einfachheit inspiriert und orientieren sich am menschlichen Maßstab. Hohe Wertschätzung für den Genius Loci und profunder Respekt für Marken-Individualität bilden die Grundlage für die Arbeit der Teams aus 70 Architekten, Interior, Produkt- und Grafikdesignern, die in großem wie in kleinem Maßstab interdisziplinär arbeiten und im Management komplexer Projekte hochqualifiziert sind. Ästhetische Dauerhaftigkeit, technologische Langlebigkeit und die zukünftige Lebensdauer von Gebäuden und Produkten sind für Matteo Thun und seinen Partner Antonio Rodriguez wesentlich.

Zwei kongeniale Partner: Matteo Thun (l.) und Antonio Rodriguez. Fotos: © Nacho Alegre + Carlo Furgeri Gilbert

Zwei kongeniale Partner: Matteo Thun (l.) und Antonio Rodriguez. Fotos: © Nacho Alegre + Carlo Furgeri Gilbert

“Wir sehen die Natur als integralen Bestandteil unserer Architektur und Innenarchitektur. Naturstein, Holz und Grünflächen – innen und außen – prägen unsere Arbeit. Statt sie zu zwingen, dort zu wachsen wo sie nicht hingehört, zollen wir der Natur Tribut. Wir lassen ihr Raum und Zeit sich natürlich zu entwickeln. Wir nennen dies botanische Architektur.“ M. Thun

Antonio Rodriguez ist seit 2003 Partner von Matteo Thun. Der Designer zog nach dem Studium in den 1990ern nach Mailand, arbeitete im Taipei Design Center und fungierte von 2000 bis 2005 als Tutor beim European Design Institut (IED). Seine zeitlosen und klaren Entwürfe haben ikonische Produkte und Interior Projekte für ein weltweites Klientel geprägt.

Lake Resort Bad Saarow (DE 2017)

Lake Resort Bad Saarow (DE 2017), © Matteo Thun Milano

Wie arbeiten Matteo Thun & Partners?

Ein sensibler Umgang mit der Vision des Kunden, Vertrauen und solide Beziehungen sind Ausgangspunkt für die Arbeit der unterschiedlichen Teams. Auf der Suche nach Veränderung – ohne auf traditionelle Werte zu verzichten – arbeiten sie in Übereinstimmung mit den Trends der Branche. Dabei definieren kreative und technologisch innovative Lösungen ihre Kompetenz ebenso wie ihre Erfahrung im Umgang mit flexiblen Budgets und Cost Engineering.

Matteo Thun Milano ist spezialisiert auf verschiedene Hospitality-Segmente, mit besonderem Fokus auf Luxus-Hotelprojekten und Häusern mit Charakter. Dafür bietet das Unternehmen maßgeschneiderte und schlüsselfertige Konzepte, die Architektur, Interior und Lichtkonzept inkludieren.

Wellbeeing als wesentlicher Teil der Designphilosophie

Bei Projekten von Matteo Thun Milano steht der Gast (lat: Hospes) und sein Wohlbefinden im Mittelpunkt. Diese Grundeinstellung bestimmt auch die Projekte, an denen das Studio im Gesundheitswesen arbeitet. Hier ist die Beziehung zwischen Patient und physischer Umgebung der Ausgangspunkt für Architektur, Interior und Landschaftsplanung. Architektur und Interior-Projekte von Matteo Thun Milano sind das Ergebnis eines intensiven Dialogs mit dem Kunden, dem Standort, seinen Bewohnern und seiner Kultur.