Die Vielfalt genießen. Sofa Oscar, Tische Pit, Hardy und Laurel sowie Stuhl Gossip von Jan Kurtz. Design: verschiedene Designer. www.jankurtz.de Foto: © Jan Kurtz
STREIFZUG München | Ausgabe 75 | Frühling 2026 | Text: Barbara Jahn
München stand Mitte März ganz im Zeichen des guten Geschmacks. Während der Stofffrühling schon seit fast 30 Jahren Architekten, Einrichter und Raumgestalter in die bayrische Hauptstadt lockt, waren es die zweiten Munich Design Days, die nicht nur Stadtgespräch, sondern weit über die Grenzen hinaus zum Lieblingsthema der Designszene wurden.

Das Duett genießen. Tisch Bridge und Stuhl Bocca von Studio by Mobimex. Design: Jehs & Laub www.studiobymobimex.com Foto: © Studio by Mobimex
Die drei „Ps“ – Praterinsel, Prisco-Haus oder das noble Palais Lenbach – sie alle waren die Hotspots einer gelungenen zweiten Ausgabe des Paarlaufs zweier Formate, die sich nicht nur gefunden haben, sondern gemeinsam München zur angesagten Design-Stadt machen. Und es ist wohl der richtige Impuls, den es braucht, wenn in den ersten warmen Tagen die Lust und die Leidenschaft erwachen und allen der Sinn nach Neuem, Frischem und Inspirierendem steht.

Den Klassiker genießen. Freischwinger S 411 von Thonet. Design: Mart Stam / Jil Sander www.thonet.de Foto: © Hartmut Nägele
Ein bisschen mehr
Während sich die ganze Stadt zur Bühne verwandelte und man per Shuttlebus von Schauraum zu Schauraum „flanieren“ konnte, war die Praterinsel direkt an der Isar die Zentrale des Events. In den historischen Räumlichkeiten namens Füllhalle, Zollgewölbe und Wurzelkeller, zwischen den charmanten Bögen und ganz ohne aufwändigen Messebau, benachbarten sich renommierte Labels wie Wittmann, Ligne Roset, Walter Knoll, KFF, Bullfrog, ClassiCon, Kettnaker oder Christine Kröncke, um nur einige zu nennen, die mit ihren Neuheiten 2026 die Besucher auf eine anregende Entdeckungsreise einluden und ihnen damit einen Vorgeschmack boten, was dieses Jahr zum Trend wird. Waren es letztes Jahr bei der ersten Edition der Munich Design Days nur Teile, die bespielt wurden, so kamen dieses Jahr auch der Innenhof mit Loggia, die Orangerie und die Ateliers hinzu. Kurz: Das Potenzial wurde erkannt und die Chancen stehen sehr gut, sich noch größer und vielfältiger aufzustellen.

Die Ordnung genießen. Kommode Cosmo von Schönbuch. Design: Dante Bonuccelli www.schoenbuch.com Foto: © Schönbuch
Noch viel mehr
Von der Praterinsel ging es fast sternförmig in alle Richtungen durch die Stadt – ein Glück auch, dass das Wetter nicht hätte besser sein können. Für diejenigen, die auf der Suche nach neuen Textil- und Tapetentrends waren, war das Prisco-Haus am Prinzregentenplatz erste Adresse. Hier konnte man nach Herzenslust die Portfolios der unterschiedlichsten Hersteller durchforsten: Sanderson, der eng mit dem National Trust zusammenarbeitet, Arte, Englisch Dekor, Salzburger Handdrucke Jordis, Noël & Marquet oder Organoid, die für außergewöhnliche Oberflächen mit natürlichen Materialien sorgen, konnte man hier kennenlernen oder wiedersehen. Und auch das ist nur ein kleiner Teil der Aussteller rund um die Raumgestaltung. Einige andere wie Rubelli, Object Carpet, Kvadrat oder Little Greene luden zu eigenen Schauplätzen ein, um sich dort zu präsentieren.

Die Ruhe genießen. Sofa Kashima von Ligne Roset. Design: Michel Ducaroy www.ligne-roset.com Foto: © Ligne Roset
Lust auf mehr
Wer sich die Zeit nahm und grundsätzlich auch gerne zwischen den Zeilen liest, konnte sich in verschiedenen Expertentalks ein Bild von den jüngsten Entwicklungen und Ideen machen. Im Occhio Experience Center im Lenbach Palais trafen – moderiert von Designinsider Oliver Herwig – der Farbexperte Axel Buether, Textil- und Produktdesignerin Ina Glink, Farbberaterin Hannah Maria Jakobi und Inneneinrichterin Stephanie Thatenhorst aufeinander, die sich über die Kraft der Farbe austauschten. Andernorts, bei Cor, unterhielten sich Leo Lübke und die Materialexpertin Efrat Friedland über Entwicklungen in der Möbelindustrie, was einen echten Klassiker ausmacht und warum 50 Prozent PET-Recycling immer noch nicht nachhaltig genug sind. Bei Moormann konnte man darüber staunen, was man aus einem Regalsystem alles machen kann, während man bei Victor Foxtrot einmal mehr in die Frische von Farbe eintauchen konnte. Und bei Neue Werkstätten feierte man Jil Sander und ihre „Personal Interpretation“ des Thonet Stuhlklassikers von Mart Stam, der berühmte Freischwinger S 64, sowie die Kollektionserweiterung mit Sessel S 411. All das war erst der Anfang eines großartigen Designjahres und macht Lust, nächstes Jahr wiederzukommen.

Die Zweisamkeit genießen. Sofa Siwa von Cor. Design: Altherr Désile Park www.cor.de Foto: © Cor
KITZBÜHEL
