Der Wiener Graben mit seinen historischen Gebäuden bildet die atemberaubende Kulisse für eine der schönsten Einkaufsstraßen der Bundeshauptstadt.
STREIFZUG Kitzbühel & Alpenraum | Ausgabe 23 | Frühling 2026 | Text: Barbara Jahn
Die Bundeshauptstadt Österreich befindet sich im Aufwind, und das aus gutem Grund: Sie erfindet sich ständig neu. Wer auf Kulinarik, Kunst, Kultur und Kennenlernen von Neuem setzt, irgendwo zwischen Gemütlichkeit und Abenteuerlust, kommt hier garantiert auf seine Kosten.

Die Ausstellung „Ferdinand Georg Waldmüller. Nach der Natur gemalt.“ im Unteren Belvedere ist einer der vielen Kultur-Hotspots in Wien. Foto: © Johannes Stoll/ Belvedere, Wien

Wien, bereits viele Male zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt, ist eine reife Grand Dame und eine junge Überlebenskünstlerin zugleich. Hier treffen Geschichte und Walzerseligkeit auf moderne Trends, klassische Speisen auf experimentelle Küche, Besinnlichkeit und Innehalten auf Tempo und Fortschritt. Natürlich kann man sagen, dass das in jeder europäischen Metropole so ist. Und dennoch gelingt dieser Mix nirgends so gut wie hier an der blauen Donau.

Während die Albertina einen runden Geburtstag feiert, sollte man auch der Albertina Modern einen Besuch abstatten. Foto: © Wien Tourismus / Paul Bauer

Die Galerie Lichterloh, einen Katzensprung von Semper-Depot und Café Sperl entfernt, bietet von klassisch bis kurios legendäre Designlieblinge. Foto: © Wien Tourismus / Peter Rigaud
Immer ein Grund zum Feiern
Wenn wir schon beim Dreiviertel-Takt sind: Mit der reichen kulturellen Historie gibt es in Wien jedes Jahr neue Anlässe, auf die feierlich angestoßen werden kann. Das Johann-Strauß-Jahr ist zwar schon ausgeklungen, trotzdem bleibt vom Jubiläum einiges darüber hinaus bestehen. In Döbling hat das Casino Zögernitz seinen Betrieb als „House of Strauß“ aufgenommen und zählt als letzter Originalschauplatz weltweit, an dem alle vier Strauß-Genies auftraten, mit immersivem Museumsbesuch, Konzerten und dem eigenen Restaurant „Simon“ zu den jüngsten Kulturhighlights der Stadt. Doch auch 2026 gibt es eine Menge an runden Geburtstagen. So werden das Burgtheater und die Sammlung der Albertina 250 Jahre, das Hotel Sacher feiert sein 150. Wiegenfest, die Wiener Festwochen werden 75, die Regenbogenparade 30, das Museums-Quartier zündet 25 Kerzen an und das Mozarthaus Vienna, das Mozarts 270. Geburtstag begeht, feiert ebenso wie die Vienna Design Week ihren 20. Jahrestag. Letztere findet vom 25. September bis 04. Oktober 2026 statt und wird wieder mit spannenden Formaten wie „Rado Moving Materials“ in Kooperation mit dem Schweizer Uhrenhersteller oder der Premiere der Multimediaausstellung „Tech Tales“, bei der Kinder zu Designern werden, aufwarten. Der Rest ist noch geheim.

Wie Prinz und Prinzessin fühlen darf man sich bei Hofjuwelier A.E. Köchert am Neuen Markt: Auch Sisi hat hier schon eingekauft. Foto: © Wien Tourismus / Paul Bauer
Inspirationsquelle Stadt
Wer nicht genug von Kultur kriegen kann, sei auf drei weitere besondere Highlights aufmerksam gemacht, die ganz frisch aus der Taufe gehoben wurden. Anfang März öffnete die Villa Beer in Hietzing ihre Pforten, ein Architekturjuwel der 1930er Jahre von Josef Frank und Oskar Wlach. Die mit großem handwerklichen und finanziellen Aufwand sowie mit viel Liebe zum Detail restaurierte Villa versteht sich jedoch nicht als klassisches Museum, sondern lädt seine Besucher bewusst viel mehr ein, die Räumlichkeiten mit eigener Fantasie so zu erleben, als würde man selbst hier einziehen und sich einrichten können. Dies war der ausdrückliche Wunsch von Eigentümer Lothar Trierenberg, der das Projekt mit Architekt Christian Prasser umgesetzt hat. Von der „jüngsten“ Sehenswürdigkeit Wiens zu einer Sammlung, die es zwar schon länger gibt, jedoch neu aufgestellt und präsentiert wird: Mit der Perspektive von Künstler Markus Schinwald zeigt Museumsdirektorin Lilli Hollein nun mit mehr als 700 Objekten aus Design und Kunstgewerbe aus der Zeit um 1900 einen fesselnden Querschnitt durch die Hochblüte der angewandten Kunst jener Zeit und rückt damit gleichzeitig die Kernkompetenzen des MAK als ehemaliges k. & k. Österreichisches Museum für Kunst und Industrie und der daraus entstandenen Kunstgewerbeschule, heute die Angewandte, ins Zentrum des Besuches.

In den kunstvoll kuratierten Suiten des neuen Mandarin Oriental wurde nichts dem Zufall überlassen. Foto: © Mandarin Oriental Vienna
Auch im Unteren Belvedere kommt man als Bewunderer der Kunst 2026 keinesfalls zu kurz: Zum einen verzückt Ferdinand Georg Waldmüller in der Ausstellung „Nach der Natur gemalt“ bis 14. Juni 2026 mit seinen intimen Baumstudien, weiten Wienerwaldlandschaften und stilprägenden Ansichten des Salzkammerguts, zum anderen brilliert die deutsch-amerikanische Textilkünstlerin Anni Albers, die in den 1920ern am Bauhaus ihre Karriere begann, bis 16. August 2026 in der Personale „Constructing Textiles“, kuratiert von Fabienne Eggelhöfer und Brenda Danilowitz, wo ihre textile Kunst gezeigt wird, in der sich die Verbindung zwischen traditioneller Handwebtechnik, moderner Kunst und industriellem Design widerspiegelt.

Die „Spelunke“ am Donaukanal zählt zu den angesagtesten Szenetreffs mit Spitzenküche und Barkultur. Foto: © Culinarius

Das Strauß-Museum im Casino Zögernitz begeistert auch nach dem Jubiläumsjahr mit seiner Ausstellung. Foto: © Atelier Brückner / Josef Sindelka
Vom Augenschmaus zur Gaumenfreude
Nach so viel Kunstgenuss ruft die Kulinarik, die sich in Wien besonders breit aufgestellt hat. Kaum möglich, alle aufzuzählen, deshalb hier drei Neuzugänge der Szene von vielen, bei denen sich jedes einzelne durch seine charakteristischen Besonderheiten hervorheben würde. Zielort eins ist der Wiener Donaukanal, wo sich Michael Dvoracek, Inhaber der „Spelunke“, und sein Küchenchef Alexander Knelle ausdrücklich zur österreichischen Küche bekennen, und das an einem Ort, der Restaurant, Bar und Szenetreff miteinander vereint und das Dinner-Erlebnis mit Bar-Kultur verschmilzt. Am Zielort zwei lädt der mit 18 Jahren jüngste GMC Österreichs, Stefan Doubek, der mit seiner Partnerin Nora Pein bereits mit zwei Michelin-Sternen und fünf Hauben ausgezeichnet wurde, ins „Doubek“ in der Josefstadt, wo er einerseits den Gästen Handwerk und Produktqualität serviert, andererseits den Mut zeigt, intensive, pure Geschmäcker zu schaffen. Station drei wäre das am 05. März dieses Jahres neu eröffnete Brasserie Restaurant Rascal im Wilde, Vienna Fleischmarkt, im 1. Bezirk. Im historischen Gebäude der ehemaligen Alten Post setzt das Restaurant ein modernes Statement zeitgemäßer Gastronomie und bietet traditionelle österreichische Küche mit einer verspielten, modernen Handschrift. Eine fein selektierte Weinkarte und erlesene Cocktails runden das Restaurant-Erlebnis in eindrucksvoller Architektur mit original erhaltenen Details ab.

Im Doubek von Haubenkoch Stefan Doubek kann man nicht nur ausgezeichnet essen, sondern sich auch überraschen lassen. Foto: © Patrick Griesbacher-Tafner

Mit dem Brasserie Restaurant Rascal eröffnet in den Wilde Aparthotels das Signature-Lokal des Hauses am Wiener Fleischmarkt. Foto: © Wilde Aparthotels
Heimkommen, da sein
Wohin, wenn ein schöner, intensiver Tag sich dem Ende zuneigt? Auch da gibt es in Wien wieder Neues zu entdecken, etwa das frisch eröffnete Mandarin Oriental in einem Jugendstillbau aus den frühen 1900er Jahren innerhalb der Ringstraße, oder das Miiro Palais Rudolf am Rudolfsplatz, das vor kurzem eröffnete und mit seinen 62 Zimmern und zwei Suiten, die sich durch eine sanfte Farbpalette und Möbel im Vintage-Stil auszeichnen, die Atmosphäre eines Wiener Stadthauses widerspiegeln. Schon Ende März 2026 geht das Miiro Spittelberg an den Start, situiert direkt hinter dem MuseumsQuartier, wo sich von den obersten der 132 Zimmer und Suiten ein herrlicher Blick über Wien mit Stephansdom genießen lässt.
Wien ist also immer eine Reise wert – spätestens für den Eurovision Song Contest. Für den Rest darum herum hat die Stadt, in der noch das Flair von Sisi mitschwingt, die Zeit aber trotzdem nie stehengeblieben ist, auf jeden Fall vorgesorgt.

Herzlich willkommen: Nach dem Miiro Palais Rudolf eröffnete nun kürzlich auch das Miiro Spittelberg. Foto: © Miiro Hotels
KITZBÜHEL
