Projekt Beschreibung

STREIFZUG Südtirol & Gardasee | Ausgabe 03 | Frühling 2026 | Text: Klaus Dörre

Weinkenner wissen: Ein guter Wein entfaltet nur in einem geeigneten Glas seinen vollen Charakter. Südtiroler Kellereien übertragen diese Philosophie auch auf eine wesentlich größere Dimension – und erregen so nicht nur mit der Qualität ihrer Weine, sondern auch mit außergewöhnlicher Architektur weltweit Aufsehen.

Kellerei Kurtatsch

Kellerei Kurtatsch

In Kurtatsch zum Beispiel hat das Bozner Büro dell‘agnolo kelderer Architects eine Erweiterung der Kellerei geschaffen, die so selbstverständlich aus dem Boden zu wachsen scheint, als wäre sie schon immer da gewesen. Mit ihrer schlichten und zurückhaltenden Fassade zitiert sie die hochaufragende Felswand aus Dolomit, auf der das Dorf Kurtatsch thront. Außerdem wurde der Fassade der für die Gegend so typische Dolomitstein beigemischt, um die Verbindung zum Terroir noch stärker hervorzuheben. Hinzu kommen warmes Holz, großzügige Sichtachsen und maßgefertigte Glaselemente, die die Grenze zwischen Innen und Außen auflösen: Wer hier steht, schaut wie aus einer Schutzhöhle durch die Öffnungen der Betonfassade, die sich von außen kaum von den Schatten natürlicher Steinformationen unterscheiden. Es ist eine Architektur, die nicht von Landschaft und Wein ablenkt – sondern beides rahmt.

Kellerei Schreckbichl

Skulptur aus Ranken

Werner Tscholl hat in Tramin und Marling zwei der eindrücklichsten Weinkellereien Südtirols geschaffen. Die Kellerei Tramin ist eine architektonische Skulptur, die sich von der Morphologie der Rebe inspirieren ließ: Die geschwungenen Arme des Gebäudes strecken sich den Besuchern entgegen, die Form spielt in Farbe und Linie auf die Traminer Reben an. Holz trifft auf Eisen, Glas auf Beton, Transparenz auf kühles Dunkel. Und das alles, ohne einen einzigen Rebstock zu opfern. Das Ergebnis ist eine Synthese, in der Vergangenheit und Zukunft in vollkommener Harmonie nebeneinander bestehen.

In Marling folgt die Kellerei Meran Burggräfler derselben genialen Logik: Über den Produktionsbereichen erhebt sich ein Glaspavillon wie ein Penthouse mit 360°-Panorama auf den Talkessel. Die gefalteten Glaswände unter dem auskragenden Dach werden zu Projektionsflächen für die Berglandschaft – nicht ganz so schroff wie die Gipfel dahinter, aber genau so aufregend. Im Inneren dominieren dunkles Eichenholz und Glas, ohne Schnörkel, kraftvoll und klar. Architekten und Winzer haben gemeinsam ein Theater des Weines inszeniert: Kellergewölbe leuchten in Rot oder Blau, Steinflächen wirken wie Gemälde. Man spürt es sofort: Hier bereitet das Weinmachen Freude.

Kellerei Tramin

Rebellen mit Weitblick

Die Kellerei Schreckbichl, hoch oben auf einem Weinberg westlich von Bozen, wurde von Weinbauern gegründet, die sich als Rebellen und Pioniere verstanden. Dass sie auch architektonisch mutig sind, beweist ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem Brixner Büro bergmeisterwolf Architekten. Hier entstand aus dem Bestand heraus schrittweise ein vollständig neues Ensemble: Eichenholzfassaden, schwarz beschichtete Metallkonstruktionen, ein vertikaler Hängegarten, der sich je nach Jahreszeit in anderen Farben zeigt. Neues Obergeschoss mit Foyer, Küche und Saal für Weinpräsentationen und Verkostungen. Und als neue Landmark: ein Turm aus dunklem Sichtbeton, der an die mittelalterlichen Wehrtürme der Region erinnert – mit Rundum-Panorama vom Mendelgebirge über die Texelgruppe bis nach Bozen. Ein Ort, der Geschichte atmet und dabei vollkommen zeitgemäß ist.

Kellerei Bozen

Kellerei Meran/City Vinothek

Monolith und leuchtender Reben-Würfel

Am Ortseingang von Kaltern hat das Wiener Büro feld72 für die Kellerei-Genossenschaft eine neue Landmark geschaffen: Ein monolithischer, winkelförmiger Baukörper aus glasfaserverstärktem Beton, der einen Innenhof zu den Bestandsgebäuden aufspannt. Im Inneren entfaltet sich eine skulpturale Terrassenlandschaft, die eine komplexe Abfolge von Atmosphären und Raumeindrücken erzeugt – ausgezeichnet mit dem Chicago Athenaeum International Architecture Award. In Bozen haben wiederum dell‘agnolo kelderer Architects mit der Kellerei Bozen ein Gebäude entworfen, das weithin leuchtet: bronze-farbenes, gelochtes Aluminiumblech, durchzogen von verästelten Linien, die ein Rebenblatt stilisieren. Der markante Würfel wächst majestätisch aus dem Hang, in dem die Produktionsanlagen liegen. Als erste Kellerei Südtirols wurde der Bau auch mit dem KlimaHaus Wine®-Zertifikat ausgezeichnet.

Kellerei Kaltern

Eine Einladung

Was all diese Projekte verbindet, ist die Überzeugung, dass eine Kellerei auch ein Ort der Begegnung, des Staunens und des ganzheitlichen Genusses sein muss. Umgesetzt von Architekten, die dies mit viel Können, Liebe und Leidenschaft in faszinierende Bauwerke übersetzen. Erleben Sie so eine Genuss-Region, die ihre traditionell tiefe Verbundenheit mit der Kunst des Weinmachens in zeitlose, authentische Architektur verwandelt hat.

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