UN:FOLD – Eine Fusion aus Origami, Kunst und Architektur
STREIFZUG München | Ausgabe 76 | Sommer 2026
Eine einfache Geste – das Knicken eines Materials, das plötzlich Spannung, eine Richtung, eine neue Bedeutung erhält – war der Beginn einer neuen Zusammenarbeit, die einfach ins Staunen versetzt.

Aus der neuen next125 Kollektion: nx960 Ceramic marmor umbra | nx640 Eiche elegant kastanienbraun
Faltungen im Wandel beginnen mit einer leisen, fast unscheinbaren Bewegung: Ein Material wird berührt, geführt, gespannt und gibt nach, bis daraus eine Struktur entsteht. In diesem Moment kippt das Physische ins Räumliche und schließlich ins Atmosphärische. Bei „UN:FOLD“, einem gemeinsamen Projekt von next125 und dem in Neu-Delhi lebenden Architekten, Designer und Origami-Künstler Ankon Mitra, wird genau dieser Übergang zur raumgreifenden Erzählung. Während der Milan Design Week 2026 entfaltet sich im Superstudio eine Installation, die wie ein Gedanke im Raum wächst und sich nicht sofort offenbart, sondern Schicht für Schicht erfahrbar wird. Inspiriert vom Handi, dem traditionellen indischen Kochgefäß, das für Wärme, Fürsorge und gemeinsames Essen steht, entwickelt sich eine organische Form aus präzise gefaltetem Aluminium, die kraftvoll und fragil zugleich wirkt, in Bewegung erscheint und Erinnerung, Gemeinschaft und Gegenwart verbindet. Sie folgt den Prinzipien von „Oritecture“, einer Verbindung aus Architektur und Origami, und wirkt wie ein eingefrorener Bewegungsmoment: eine Struktur, die sich öffnet und schließt, fast atmend und sich ständig verändernd durch Licht, Blickwinkel und Abstand.

Geometrie der Entfaltung
Im Inneren dieser skulpturalen Hülle ruht die Küche als leiser Gegenpol. Drei klar definierte Kuben ordnen das Geschehen, übersetzen es in eine reduzierte, fast archaische Sprache und strukturieren den Raum in elementare Handlungen: das Zubereiten, das Reinigen, das Bewahren. Diese Klarheit ist kein Kontrast zur Architektur, sondern ihr inneres Gleichgewicht. Die Verbindung dieser beiden Welten schafft schließlich das Licht als zentrales Gestaltungselement. Es wandert über Kanten, bricht sich in den Faltungen, vertieft die Schatten und legt sich über die ruhigen Flächen der Küche. Mit LumiQ erhält diese Küche eine neue Qualität, denn es lässt sie aus der Ebene der Technik in jene des Gefühls übertreten. Als ganzheitliches System verbindet es funktionales Arbeitslicht mit atmosphärischem Raumlicht und reagiert auf unterschiedliche Alltagssituationen. Das gelingt, weil Licht hier nicht als Effekt eingesetzt wird, sondern als steuerbare Stimmung: Es kann konzentrieren, beruhigen oder den Raum weit öffnen. Darüber hinaus wird Licht durch die Integration in Smarthome-Systeme und die intuitive Steuerung zu einem flexiblen Medium, das den Raum nicht nur ausleuchtet, sondern emotional formt. Selbst funktionale Details wie durchgehend beleuchtete Griffmulden zeigen, wie nahtlos das Licht in Nutzung übergeht.

Ankon Mitra
Poesie einer Form
Auch in der Materialität, die dieser Logik folgt, setzt sich dieses leise Wechselspiel fort. Warmes Holz trifft auf kühle Keramik, die wie Stein wirkt, umgeben von der schimmernden Hülle aus Metall. Nichts steht für sich allein, alles tritt in eine Beziehung miteinander: Die matten keramischen Oberflächen in Marmor-Umbra-Anmutung nehmen das Licht auf, während die kastanienbraunen Holzfronten räumliche Tiefe erzeugen. Dazu zeichnen horizontale und vertikale Lichtspuren die Architektur nach, ohne sie zu überstrahlen, sondern um sie zu tragen. Die Falte, deren Präzision entscheidend ist, wird so, anstatt reiner Dekor zu sein, zum verbindenden, konstruktiven Element und emotionalen Motiv. So wird „UN:FOLD“ im letzten Moment lesbar als Zusammenwirken zweier Kräfte: der kontrollierten Reduktion der Küche und der bewegten Geometrie der Faltenarchitektur. Beide bleiben eigenständig, sind aber untrennbar über Licht und Material verbunden. Die Installation zeigt damit konkret, wie Gestaltung entsteht: nicht durch Überhöhung, sondern durch bewusst gesetzte Übergänge, durch
Faltungen, die Raum nicht schließen, sondern in Beziehung setzen.

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KITZBÜHEL
