Projektbeschreibung

Ein „alter“ Baustoff erlebt eine Renaissance: Holz. Holzbau revolutioniert Bauprojekte. Längst nicht mehr nur bei Eigenheimen in alpinen oder nordischen Ländern, sondern auch bei urbanen Groß- und Hochhausprojekten. Auch bei der Nachverdichtung in den Metropolen gilt der Holzbau als ideale Option um Gebäude aufzustocken. Holz als Baustoff ist klimaneutral, nachwachsend, recyclingfähig, stabil, elastisch, leicht, überall verfügbar … mit Bestwerten in puncto Brandschutz und Dämmeigenschaften. Die Holzbau-Revolution nimmt weltweit Fahrt auf.

Nostalgie-Kitsch beim Holzbau

Dass auf einem steinernen Grundgeschoss Stockwerke aus Holz aufgebaut werden ist in den Alpen nichts Neues. Die alten Bauernhöfe Tirols z.B. folgen diesem Prinzip. Zumindest die der wohlhabenderen Bauern. Ansonsten hat der reine Holzbau in den Alpen jahrhundertelange Tradition. Kein Wunder also, dass z.B. der „alpine Chaletstil“ in den einschlägigen Zweitwohnsitz-Hotspots so beliebt ist. Aus dem „geschützten Ort“ (frz.: chalet, lat.: cala), der ursprünglichen Schweizer Sennhütte, ist längst ein Synonym für einen alpin geprägten – und luxuriösen – Haus- und Wohnstil geworden. Was manche Bauherren dabei allerdings unter „authentisch“ verstehen, hat oft nicht viel mit landes- und landschaftstypischer Architektur zu tun. Ähnlich wie beim „Altholz“-Hype, bei dem man sich fragt, wo um Himmels Willen das Ganze „alte“ Material überhaupt herkommen kann.

„Die alpine Architektur kennt … willentliche Blindheit gegenüber der schönen Fiktion. Baumassen aus Beton, die in Volumen einem mittelgroßen Hochhaus kaum nachstehen, werden in enge Täler gezwängt und mit Walmdach und Holzbalkon dekoriert. Bis sie aussehen wie ein Auffahrunfall aus halbfertigen Bauernhäusern. Während im Inneren hochtechnisierte Wellnesslabyrinthe und Großgastronomien, die jedes Bauernhaus sprengen würden, ihre eigene Welt simulieren. Mit im Takt von Tourismusmessen wechselnden Möbeln“, kommentiert Maik Novotny in DER STANDARD vom 5. Jänner 2019 diese Entwicklung. Ein ebenfalls preisverdächtiges Gustostückerl an Formulierung. Und so mancher alteingesessener Einheimischer in Kitzbühel oder Lech würde dem zumindest insgeheim von Herzen zustimmen.

Dass Holzbau auch anders geht …

… beweisen innovative Architekten und Initiativen wie zum Beispiel der österreichische Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs: 2018 preisgekrönte Ferienhaus-Projekte, wie z.B. „Hollmann am Berg“, die Novotny in seinem Artikel vorstellt, die „Purismus als Königsweg zur Gemütlichkeit“ beinhalten und „wahre Glücksfälle im Zusammentreffen von Investor und Architekten“ sind (Zitate: Novotny). Bauten, die landschafts- und landestypische Formgebung aufgreifen und kreativ und sensibel in die Moderne übersetzen. Und gerade deshalb authentischer wirken als jede x-te „alpine“ Chalet-Variante.

Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs 2018: Häuser im Wald. „Hollmann am Berg“, Kärnten, Turracher Höhe. Fotos: © Gernot Gleis
Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs 2018: Häuser im Wald. „Hollmann am Berg“, Kärnten, Turracher Höhe. Fotos: © Gernot Gleis

Zurück in die Zukunft

… weisen dem zudem andere ausgezeichnete Projekte des Bauherrenpreises. Wie zum Beispiel das „Paneum“, die von Coop Himmelb(l)au für backaldrin International The Kornspitz Company in Asten konzipierte „Wunderkammer des Brotes“. Ein Beispiel dafür wie flexibel und extravagant Holzbau bei Großprojekten sein kann.

Die eigentliche Wunderkammer, die von außen an ein „Wolkenschiff“ oder an einen Brotteig-Gärkorb erinnert, liegt auf dem Informationszentrum mit Foyer und Veranstaltungsforum. Eine gebauchte Figur aus 3D CNC-gefrästen Brettsperrholzelementen, deren 88 Schichten durch Stahlschrauben miteinander verzahnt sind. Im Innenraum bleibt die Oberfläche der kreuzverleimten Lagen sichtbar. Außen wurde der konstruktive Holzbau mit über 3000 rautenförmigen Edelstahlschindeln verkleidet.

Der zweigeschossige Ausstellungsraum mit seinem Boden aus geräucherter Eiche wird durch eine selbsttragende Stahl-Wendeltreppe erschlossen. Auf dem Weg hinauf können die abgehängten Exponate von allen Seiten betrachtet werden. Die exzellent präsentierten Gegenstände einer ungewöhnlichen Sammlung und der Raum bilden ein faszinierendes Ganzes, das Besucher/innen in seinen Bann zieht.

Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs 2018: Paneum – Wunderkammer des Brotes, Asten. Fotos: © Markus Pillhofer
Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs 2018: Paneum – Wunderkammer des Brotes, Asten. Fotos: © Markus Pillhofer
Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs 2018: Paneum – Wunderkammer des Brotes, Asten. Fotos: © Markus Pillhofer

Holzbau und Whisky? Passt!

Dank Initiativen wie dem Bauherrenpreis oder Kompetenzplattformen wie proHolz, Holz ist genial oder Holzbau Austria – um nur einige zu nennen – hat sich Österreich zu einem der Innovations- und Kompetenzführer in Sachen Holzbau weltweit etabliert. Knowhow, das längst weit über die Landesgrenzen hinaus buchstäblich zum Tragen kommt. So wird zum Beispiel der Neubau der schottischen Whisky-Destillerie Macallan – dem Rolls Royce unter den Whiskies! – von einer der kompliziertesten Dachkonstruktionen der Welt überdacht. Ein Projekt, das international mehrere Architektur-Awards einheimste, darunter den renommierten Wood Award 2018 in London.

Der Holzbau? Made in Austria! Denn wie so oft in solchen Fällen beauftragt man damit inzwischen weltweit österreichische Firmen, die mit ihren Produkten und ihrem Knowhow als führende Anbieter für Holzbau gelten. Im Falle Macallan war die international agierende WIEHAG GmbH aus dem österreichischen Altheim für die Holzdach-Konstruktion und das Engineering zuständig.

Das begrünte Holzdach mit seinen fünf Kuppeln ist 207 m lang und 12.300 m2 groß und fügt sich nahtlos in die Landschaft ein. Assoziationen mit den runden Wohnsitze der Hobbits aus dem „Herrn der Ringe“ sind dabei sicher kein Zufall. Unter den ersten vier Kuppeln stehen die Kupferkessel, in denen der Whisky gebrannt wird. Unter der größeren fünften Kuppel befindet sich das neue Besucherzentrum der Macallan-Destillery.

Bei den Wood Awards 2018 wurde das Projekt zum Sieger in der Kategorie Ingenieur-Holzbau gekürt.

Der Bau in Stichworten:

  • insgesamt 380.000 Einzelteile
  • alle in Österreich vorgefertigt, nach Schottland geliefert und dort in fünf Monaten verbaut
  • 1.800 gekrümmte Einzelträger mit zweiseitig beplankten Dünnschicht-Furnierholzplatten
  • 2.700 Holzkasten-Dachelemente
  • Stahlrahmen-Unterkonstruktion (SHS Stahlverarbeitung GmbH)
  • Bauherr: Edrington Group
  • Architekten: Rogers Stirk Harbour + Partners
  • Generalunternehmer: Robertson Construction Group
  • Holzdachkonstruktion & Engineering:: Wiehag Timber Construction GmbH, Altheim, Austria
Macallan Distillery, Schottland. Work in progress. Fotos: © WIEHAG Gmbh, timberconstruction.wiehag.com
Macallan Distillery, Schottland. Work in progress. Fotos: © WIEHAG Gmbh, timberconstruction.wiehag.com
Multi-Award-Winner: Der Holz-Neubau der schottischen Destillerie Macallan. Fotos: © Mark Power, MAGNUM PHOTOS
Multi-Award-Winner: Der Holz-Neubau der schottischen Destillerie Macallan. Fotos: © Mark Power, MAGNUM PHOTOS
Multi-Award-Winner: Der Holz-Neubau der schottischen Destillerie Macallan. Fotos: © Mark Power, MAGNUM PHOTOS
Multi-Award-Winner: Der Holz-Neubau der schottischen Destillerie Macallan. Fotos: © Mark Power, MAGNUM PHOTOS
Multi-Award-Winner: Der Holz-Neubau der schottischen Destillerie Macallan. Fotos: © Mark Power, MAGNUM PHOTOS

Wie flexibel und feinsinnig Bauen mit Holz auch im „Kleinen“ sein kann, beweist ein bezauberndes Projekt des britischen „Studio Morison“. Der Pavillon im Garten der Berrington Hall bei Leominster wurde ebenfalls bei den Wood Awards prämiert. Er besteht aus rautenförmigen Birkenholz-Kassetten mit Stoffüberzug.

Wood Awards 2018, London: Bestes Kleinprojekt. Pavillon von Studio Morison. © Studio Morison
Wood Awards 2018, London: Bestes Kleinprojekt. Pavillon von Studio Morison. © Studio Morison

Mit Holzbau hoch hinaus

Die „Steinzeit“ in Sachen Hochbau geht langsam zu Ende. Dank zäher und wissenschaftlich fundierter Pionierarbeit und (noch) spektakulären Leuchtturmprojekten setzt sich auch bei konservativen Bauherren die Erkenntnis durch, dass Holzbauten mindestens ebenso sicher und „massiv“ sind wie Gebäude aus Stein, Stahl und Beton. Holzbau setzt im wahrsten Sinne des Wortes auch zum Höhenflug an. Und erobert immer mehr auch mehrgeschossige Bauprojekte.

In Bad Aibling gibt es seit 2011 ein 25 m hohes Holzhaus. Das „Treet“ in Bergen (Norwegen) ist doppelt so hoch. 53 m misst ein Studentenwohnheim im kanadischen Vancouver. In London und Chicago sind sogar Wolkenkratzer-Projekte mit 300 m und 244 m geplant. Laut Bauphysikern liegt das Limit für Hochhäuser in Holzbauweise sogar bei ca. 1000 m.

HoHo!

Das aktuell weltweit höchste Holzhochhaus wächst gerade in Wien in die Höhe. Das „HoHo“ wird 84 m hoch sein und 24 Stockwerke umfassen. Es umfasst 19.500 m² Mietflächen für Restaurants, Wellnesseinrichtungen, Büros, Hotel und Appartements. Der Holzbauanteil ab Erdgeschoss liegt bei 75 Prozent. Die Fertigstellung ist für Frühjahr 2019 geplant. Investor ist Günter Kerbler bzw. Kerbler Holding. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro RLP Rüdiger Lainer+Partner.

Ob den Namensgebern des Projektes bewusst war, dass „HoHo“ in den Scheibenwelt“-Romanen des Fantasy-Bestsellerautoren Terry Pratchett auch der Name eines Werkes des berühmt-berüchtigten Erfinders und Architekten Bergholt Stuttley Johnson alias „Bloody Stupid Johnson“ ist? Wenn ja, zeugt dies sicher von einem ungeahnten Faible für typisch britischen Humor.

Und ebenso von absoluter Souveränität, Understatement und Sicherheit im Umgang mit dem Werkstoff Holz für Hochhausbauten.

HoHo Wien, Seestadt Aspern, © A3ZO_RLP Rüdiger Lainer + Partner
HoHo Wien, Seestadt Aspern, © A3ZO_RLP Rüdiger Lainer + Partner

Gute Gründe für den Holzbau:

– Holz: der Klimaschützer

Ein Kubikmeter verbautes Holz bindet nachhaltig eine Tonne CO2. Jeder Holzbau vermeidet Emissionen, die durch Herstellung hoch CO2-intensiver Baustoffe wie Beton oder Stahl verursacht werden würden.

– Holz: der nachwachsende Rohstoff

Holz wächst laufend nach. Allein in Österreichs Wäldern entsteht jede Sekunde ein Kubikmeter Holz. Bereits ein Drittel des Holzzuwachses pro Jahr in Österreich würde genügen, um das Jahresvolumen des nationalen Hochbaus mit Holz abzudecken.

– Holz: der Wirtschaftsmotor

Holz für den Holzbau zu nutzen, erhöht die Wertschöpfung. Aktuell leben 300.000 Menschen in Österreich von Wald und Holz. Die Forst- und Holzwirtschaft zählt zu den größten Arbeitgebern des Landes. Sie schafft Arbeitsplätze vor allem in ländlichen Regionen.

– Holz: das hochentwickelte Baumaterial

Neue Holzwerkstoffe aus intensiver Forschung und Entwicklung machen neue Bauweisen möglich. Massives Brettsperrholz aus mehreren miteinander verleimten Holzlagen z.B. hat den Holzbau revolutioniert. Es ist die Voraussetzung für vielgeschossiges Bauen und kann wie Stahlbetonplatten eingesetzt werden.

– Holz: der kreative Baustoff

Computerbasierte Methoden erlauben völlig neue Formen der  Gestaltung. Von weit gespannten Tragwerken bis zu Hochhäusern ist alles möglich. Immer mehr renommierte Architekten wie Shigeru Ban oder Norman Foster nutzen das Potential des Holzbaus. So ist das wahrscheinlich älteste Baumaterial auf bestem Weg zum Inbegriff moderner Baukunst zu werden.

– Holz: der effiziente und flexible Baustoff

Bauen mit Holz findet immer öfter in der Produktionshalle statt. Spezialfirmen fertigen Wände, Decken oder sogar ganze Zimmer präzise und witterungsunabhängig vor. Die Fertigteile werden zur Baustelle transportiert und lärm- und störungsarm zusammengesetzt. Gebäude sind in kürzester Zeit errichtet. Austrocknungszeiten wie beim Stahlbeton gibt es nicht.

– Holz: der leichte und tragfähige Baustoff

Hohe Tragfähigkeit bei geringem Eigengewicht zeichnet Holz als Baustoff aus. Bauteile aus Holz sind leichter sind als die aus Beton, Stahl oder Ziegel. Deshalb werden kleinere Fundamente benötigt. Bauherren sparen dadurch Platz und Kosten. Gebäudeaufstockungen sind aus statischen Gründen oft nur mit dem leichten Baustoff Holz möglich. Bei der Nachverdichtung in Städten ist dies ein entscheidender Vorteil.

– Holz: der sichere Baustoff

Moderne Holzbauten sind mindestens so sicher wie Häuser aus anderen Materialien. Sie erfüllen die modernsten behördlichen Sicherheitsbestimmungen. Im Brandfall ist Holz im Gegensatz zu anderen Baustoffen gut berechenbar und kontrollierbar und die Tragfähigkeit bleibt lange erhalten.

– Holz: der massive Baustoff

Moderne, massive Holzhäuser trotzen Wind, Wetter, Erdbeben etc. oft besser als manches Stein- oder Betonhaus. Bei Einfamilienhäusern bieten sie bei gleicher Grundfläche zehn Prozent mehr Platz.

– Holz: der Baustoff für komfortables Wohn- und Wohlgefühl

Holz sorgt für eine genussvolle Atmosphäre. Es ist ein warmer Baustoff, kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben und sorgt für natürlich reguliertes Raumklima.

– Holz: der umweltschonende Baustoff

Holzbauten können problemlos rückgebaut werden. Bauteile sind für entweder für die Wiederverwertung geeignet oder können verbrannt werden.

Weiterführende Informationen für Interessenten, Bauherren und Architekten: