Mit Strahlkraft. Polstermöbelkollektion „Aom“ von Arper Design: Jean-Marie Massaud | www.arper.com | Foto: © slowphoto.studio
STREIFZUG Salzburg | Ausgabe 12 | Sommer 2026 | Text: Barbara Jahn
Materielle Beziehungen statt formaler Konzepte: Das Designjahr 2026 zeichnet sich durch eine neue Lebendigkeit aus, gemacht aus Farben, Oberflächen und jeder Menge Emotion.
Das Design entwickelt sich 2026 eindeutig in Richtung klarer materialbasierter Raumkonzepte, in denen Oberflächen, Licht und Proportionen in einem engen Dialog miteinander stehen. So werden Materialien nicht mehr als glatte, einheitliche Flächen verstanden, sondern vielmehr als Träger von Identität und Charisma, indem sie auch Nutzungsspuren zeigen dürfen und über ihre Herstellung erzählen. Holz zeigt beispielsweise eine ausgeprägte Maserung, Naturstein zeigt in seiner natürlichen Varianz Präsenz, Textilien wirken dichter und stärker strukturiert. Dadurch verschiebt sich der Fokus von reiner Oberflächenwirkung hin zu einer lesbaren Materialrealität, in der Herkunft, Verarbeitung und Alterung Teil des gestalterischen Ausdrucks werden.

Mit Anschluss. Polstermöbelkollektion „Oasi“ von Saba Italia | Design: Robin Rizzini | www.sabaitalia.com | Foto: © Piergiorgio Sorgetti
Gleichzeitig übernimmt Farbe eine räumlich ordnende Funktion. Neben neutralen Basistönen treten kontrolliert eingesetzte, gesättigte Nuancen auf, vor allem Blau-, Rot- und Ockertöne, die häufig großflächig eingesetzt werden und Wandflächen mit Möbeln und textilen Elementen zu zusammenhängenden Farbräumen verbinden. Farbe fungiert damit weniger als Akzent, sondern als strukturelles Mittel, das Bereiche definiert und atmosphärische Überleitungen erwirkt. Dadurch wirken die Räume weniger additiv, sondern als durchgehende, in sich farblich abgestimmte Einheiten.

Mit Persönlichkeit. Tisch „Brutalist“ von Minotti | Design: Giampiero Tagliaferri | www.minotti.com | Foto: © Minotti
Design mit Botschaft
Die Materialwahl folgt einer klaren Ausrichtung auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und einer nachvollziehbaren Herstellung. Auffallend ist, dass eine sichtbare Verarbeitung bewusst zugelassen und nicht kaschiert wird. Das dokumentiert auch, dass traditionelle Handwerkstechniken wieder an Bedeutung gewinnen: Geflochtene Strukturen, textile Fertigung wie Nähte und klassische Holzverbindungen prägen die Gestaltung stärker als industrielle Standardlösungen. Gleichzeitig verfügen Möbel zunehmend über leicht trennbare, gesteckte Konstruktionen, die Reparatur oder Recycling erleichtern und eine langfristige Nutzung unterstützen. Der Fokus verschiebt sich damit von perfekter Oberflächenwirkung und industrieller Makellosigkeit hin zu konstruktiver Lesbarkeit und Materialehrlichkeit.

Mit Schwung. Outdoorsofa „Array“ und Beistelltisch „Fossil“ von MDF Italia | Design: Snøhetta / Xavier Lust | www.mdfitalia.com | Foto: © Naudesign
Die Formensprache entwickelt sich hingegen nicht in Richtung reiner Geometrie oder Organik, sondern in einen gelungenen Mix aus beidem. Rundliche wie auch klar definierte Formen werden bewusst miteinander kombiniert, wodurch Möbel zwischen skulpturaler Wirkung und architektonischer Ordnung wechseln. Diese Mischung erzeugt eine ruhigere, aber nicht uniforme Atmosphäre. Große Elemente wie Sofas, Tische oder Stauraumsysteme werden stärker als raumbildende Komponenten verstanden und strukturieren den Raum ähnlich wie bauliche Elemente.

Mit Kragen. Hochlehner „Hotte“ von Cassina | Design: Philippe Starck | www.cassina.com | Foto: © Luca Merli
Grenzenlos schön
Im Außenbereich werden Terrassen, Balkone und Gärten stärker als Erweiterung des Wohnraums gestaltet. Outdoor-Möbel orientieren sich an Innenraumsystemen und ermöglichen flexible Arrangements für unterschiedliche Nutzungssituationen. Modulare Sitzlandschaften, tief gepolsterte Elemente und kombinierbare Möbel prägen das Bild. Materialien wie Teak, Akazie, Rattan und wetterfeste Textilien werden häufig kombiniert, ergänzt durch weichere, geschwungene Formen. Farblich dominieren warme, erdige Töne wie Sand, Terrakotta und gedeckte Grüntöne, die stärker mit der Umgebung verbunden sind. Durch Schichtung von Polstern, Textilien und Licht entsteht schließlich eine wohnliche Atmosphäre, die den Außenraum stärker in den Alltag integriert.

Mit Gelassenheit. Sessel „Elas Cord Outdoor“ von Minotti | Design: Marcio Kogan / Studio MK27 | www.minotti.com | Foto: © Studio Paola Pansini & Emanuele Camisassa
So setzt sich auch im Außenraum diese Entwicklung fort. Gleichzeitig werden Materialien und Möbel so kombiniert, dass Innen- und Außenbereiche gestalterisch näher zusammenrücken, ohne ihre jeweilige Eigenständigkeit zu verlieren. Über ähnliche Materialsprachen und wiederkehrende Oberflächen entstehen elegante Übergänge, wodurch ein zusammenhängender Gesamteindruck geschaffen wird, der den Außenbereich selbstverständlich in das Wohnkonzept integriert und alles zu einem harmonischen Ganzen zusammenwachsen lässt.
KITZBÜHEL







